Archiv

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

vermutlich können Sie das Wort Coronavirus mittlerweile genauso wenig hören, wie ich. Es ist kaum zu begreifen, wie mit einem Schlag ein Wort und die damit verbundenen Folgen unseren Alltag komplett umkrempeln können. Wir stehen vor einer Herausforderung, die es so schon sehr lange nicht mehr gegeben hat. Viele Dinge, die für uns und unseren Alltag selbstverständlich waren, gehen plötzlich nicht mehr oder sind sehr stark eingeschränkt. Unser Alltag hat sich grundlegend verändert und muss komplett neu organisiert werden. Verbunden sind diese Veränderungen bei so manchem von uns mit Fragen, Sorgen, Ängsten und Schmerzen. Wie wird es wohl weitergehen: mit mir und meiner Familie, mit meinen Freunden, mit meiner Arbeit und überhaupt mit unserer ganzen Welt? Und ausgerechnet jetzt kann ich nicht mehr in die Kirche gehen, kann dort keinen Gottesdienst mitfeiern, keine Kommunion empfangen, keine Kerze anzünden, nicht in der Stille beten, um aufzutanken, um Kraft zu schöpfen… So schlimm diese Zeit, in der wir jetzt leben, ist - sie birgt auch die ein oder andere Chance. Zum Beispiel die Chance, neue Wege für unsere Gottesbeziehung und unser Glaubensleben zu suchen oder Vorhandenes zu vertiefen. Unserer Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Warum sollten wir nicht mal mit jemandem eine Zeit vereinbaren, zu der wir, wenn wir uns auch an unterschiedlichen Orten befinden, zeitgleich beten? Oder warum sollten wir uns nicht mal gegenseitig mit Impulsen über diverse Kommunikationswege wie E-Mail, Telefon, Videotelefonie bzw. -konferenz austauschen? Warum sollten wir nicht einmal einen Gottesdienst bei uns zu Hause und mit der Familie feiern? Das ist doch bei jedem von uns möglich! Unser Glaube und unsere Gottesbeziehung sind nicht an ein Gebäude gebunden - ganz und gar nicht! Viele Menschen nutzen die genannten Formen bereits und vertiefen sie jetzt immer mehr. Auch wenn ich vielleicht allein zu Hause sein muss und kaum noch Sozialkontakte habe, so kann ich dennoch meine Gottesbeziehung in Gemeinschaft leben, nur eben mit anderen (neuen) Wegen oder Mitteln. Aber ich muss mich dazu aufraffen und den Mut haben, vielleicht mal etwas Neues zu wagen und den ersten Schritt zu tun. Wir wissen alle nicht, wie es genau weitergehen wird und wie lange wir uns in dieser jetzigen Situation befinden werden. Wir wissen aber, dass Gott uns immer nahe ist, bei uns ist, für uns da sein möchte, selbst wenn es manchmal nicht so aussieht. Sprechen, beten und kommunizieren wir daher auf ganz unterschiedlichen Wegen miteinander, mit und über Gott und die Welt, entdecken so Dinge, die wir vielleicht nicht für möglich gehalten hätten. Und so werden wir in dieser schweren und herausfordernden Zeit die Nähe Gottes erfahren und einander beistehen, Kraft, Halt und Trost geben können! Beten wir füreinander und miteinander, genau dort, wo wir sind, z.B. das untenstehende Gebet von Bischof Ackermann!

Ihr Pfarrer Eisner

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

ein Spaziergang am Strand, egal zu welcher Jahreszeit, kann etwas sehr schönes und entspannendes sein, wenn er nicht gerade übervoll ist. Zumindest geht es mir immer wieder so, wenn ich mal am Meer bin. Dabei fällt auf, dass sich der Strand immer wieder verändert. Mal lässt es sich gut auf festen Sand am Meer entlang gehen, mal ist der Sand sehr locker, so dass ein Vorankommen etwas schwerer ist.

Auch unser Leben verändert sich immer wieder. Mal belasten uns Dinge, mal sind wir voller Freude und gehen unbeschwert durch den Tag. In wenigen Wochen bzw. Tagen beginnt die Fastenzeit. Eine Zeit der Buße und Neuausrichtung auf unseren Herrn und Gott. Diese Zeit soll an sich keine Last sein, mit der wir nur schleppend unseren Alltag bewältigen können, sei es durch übertriebenen Verzicht oder durch Schwierigkeiten mit z. B. Mitmenschen. Eher im Gegenteil: All das, was uns belastet, uns das Leben schwer macht, können wir (nicht nur in dieser besonderen Zeit) vor Gott bringen, ihm geben. Nur so können wir unbeschwert das Osterfest, die Auferstehung unseres Herrn feiern. Daher die Fragen: Was belastet mich? Was hindert mich evtl. daran, mit ganzem Herzen und voller Freude dem Osterfest entgegenzugehen? Gibt es Dinge, die ich noch „aus der Welt“ schaffen kann, damit sie mich nicht mehr belasten?

Es ist mitunter gar nicht so schwer, die eine oder andere Last loszuwerden. Wir tun uns damit nur manchmal etwas schwer, weil wir vielleicht den ersten Schritt auf jemanden zugehen müssten, aber es von dem anderen erwarten. Und ebenso denkt der andere. Die Konsequenz ist dann, dass gar nichts passiert und beide Seiten die Last zu tragen haben. Nutzen wir daher die Fastenzeit, um einmal darüber nachzudenken, wo wir etwas in Angriff nehmen können, was unsere Stimmung trübt, uns belastet und tun wir es auch. Dann können wir in wenigen Wochen voller Freude die Auferstehung unseres Herrn feiern.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fasten- bzw. österliche Bußzeit.
Ihr Pfarrer Eisner

banner 1 preis