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Adelheid Weigl-Gosse, www.weigl-gosse.de, In: Pfarrbriefservice.deEs ist ein kleines Detail, das mir bei der Betrachtung des Bildes auf unserem diesjährigen Osterbrief ins Auge fällt. Ein kleines Detail, das mich nachdenken ließ. Ein kleines Detail, das uns einen neuen, vielleicht veränderten Blick auf das Geschehen, das hier dargestellt ist, eröffnen kann.

Das Detail: Wer ist Judas? Ich kann es nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Für mich erschließt es sich nicht zwingend, welche der Figuren Judas darstellen soll. Es kann jeder sein. Jeder, der mit um den Tisch herumsteht, jeder, der hier mit am Mahl teilnimmt, kann es sein. Und vielleicht ist das ja gut so. Vielleicht ist es gut, dass es jeder sein kann, der eben noch ganz dicht dran ist, und dann zu dem buchstäblichen Judas wird. Jesus sagt zu allen, die da sitzen: „Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern“ (Mt 26,21). Und jeder der Apostel fragt sofort betroffen: „Bin ich es etwa, Herr?“ (Mt 26,22).

Jedem der Freunde, der engsten Mitarbeiter, der Herausgerufenen schießt die Frage: „Bin ich es etwa?“ (ebd.) durch den Kopf. Ein jeder scheint zumindest in der Theorie und im Stillen für sich selbst die Möglichkeit einzuräumen, dass er zum Verräter werden kann – vielleicht sogar schon geworden ist. Auch die Antwort Jesu: „Einer von euch Zwölf, der mit mir aus derselben Schüssel isst [wird mich verraten].“ (Mk 14,20) hält diese Möglichkeit offen.

Auch Judas stellt die Frage, die alle stellen: „Bin ich es... ?“ (Mt 26,22). Judas stellt diese Frage, obwohl er seinen Plan, Jesus an die Hohenpriester auszuliefern, schon begonnen hat in die Tat umzusetzen (vgl. Mt 26,14-16). Judas stellt die Frage und bekommt zur Antwort: „Du sagst es!“ (Mt 26,25) Aber wem, so frage ich noch einmal, wem genau auf unserem Bild gibt Jesus diese Antwort? Jedem kann dieses „Du sagst es!“ (ebd.) gelten.

Jesus weiß Bescheid. Er weiß, wer ihn verraten wird (vgl. Joh 13,10.26) und er lässt Judas zum Mahl zu, er schickt ihn nicht weg. Judas fragt, ob er es sei, Jesus bestätigt ihm seine Annahme (vgl. Mt 26,25) und gleich im nächsten Vers steht: „Während des Mahls nahm Jesus das Brot ... brach ... das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib“ (Mt 26,26). Und Judas ist dabei.

Wer ist Judas? Bin ich es etwa? Ich bin eingeladen, am Mahl teilzunehmen. Ich bin eingeladen, von Jesus eingeladen, das Mahl der Erlösung – Ostern zu feiern. Ich bin eingeladen, auch wenn mich die Frage: „Bin ich es etwa, Herr [der dich immer wieder verrät, verleugnet]?“ (Mt 26,22) umtreibt. Jesus bietet mir das Brot zum Leben an. Er bietet mir Gemeinschaft, die Erlösung schafft, in der Feier von Ostern wieder an.

Ich wünsche uns, dass wir den Mut aufbringen, ihn zu fragen: „Bin ich es etwa, Herr?“ (ebd.) Ich wünsche uns, den Mut aufzubringen, sein Wort: „Du sagst es!“ (Mt 26,25) zu hören – ohne dies als Vorwurf zu hören, sondern es als eine ausgestreckte Hand Gottes zu verstehen, der um unsere Ängste und Schwachheiten weiß. Ich wünsche uns, dass wir – trotz unserer Gebrochenheit, trotz unserer Schuld, trotz... , trotz des Karfreitags – uns von ihm im österlichen Mahl heilen und neu beleben lassen.

Ich wünsche uns eine gesegnete vorösterliche Zeit. Ich wünsche uns heilende/heiligende Kartage. Ich wünsche uns frohmachende Ostern.

Ihr Pfarrer Ludger M. Kauder

„Jesus Christus ist derselbe:gestern, heute und in Ewigkeit!“ (Hebr 13,8)

Die Grundfreibeträge, das Kindergeld, der Mindestlohn, die Renten – sie steigen. Die Nutzung des Telefons beim Autofahren, aber auch für die Radler wird teurer. Wir haben 2017 einen bundesweiten Feiertag mehr: Der Reformationstag ist für alle Deutschen frei. Da kommt einiges auf uns zu, womit wir uns erst einmal befassen müssen. Donald Trump wird neuer Präsident in den USA. In Italien, den Niederlanden, Frankreich, Norwegen und Deutschland werden in diesem Jahr neue Parlamente gewählt. Da kommt einiges auf uns zu, was wir erst später werden voll erfassen können. Da kommt einiges auf uns zu, was wir nicht werden beeinflussen oder steuern können. Die Lage in Syrien, auf den Philippinen, in der Ukraine, im Irak, im Sudan, in Mexiko, in Nigeria, in Nordkorea, in Israel, in der Türkei und in Palästina bleibt angespannt.

Das neue Jahr beginnt, und wir werden uns wieder viele Dinge vornehmen. Wir werden mit guten Vorsätzen starten. Und wir werden manche dieser hehren Gedanken bald wieder vergessen. Wir werden uns auf neue Dinge einstellen. Und wir werden alte Gewohnheiten beibehalten. Wir werden über Neuerungen stolpern und vielleicht auch manches Mal staunen. Und wir werden auch wieder erleben, dass wir viele Dinge nicht ändern können – auch wenn wir es gern wollen. „Jesus Christus ist derselbe: gestern, heute [, 2017] und in Ewigkeit!“ (Hebr 13,8) In allen Veränderungen, in allen Ungewissheiten, bei allen Neuerungen ist und bleibt Christus derselbe. Und ER bleibt sich, seinem gegebenen Wort und damit auch uns treu (vgl. 2 Tim 2,13). Dieses Wort, diese Zusage lautet: Ich bin da (vgl. Ex 3,14) und ich will, dass ihr lebt (vgl. Ez 18,32).

Ich wünsche uns, dass wir bei all den Veränderungen, die auf uns zukommen IHN im Blick behalten. Ich wünsche uns, dass wir nach IHM Ausschau halten. Ich wünsche uns, dass wir nicht resignieren, wenn Dinge vollkommen anders kommen, als wir sie planten. Ich wünsche uns, dass wir nicht mutlos werden, wenn Schlimmes nicht besser wird. Ich wünsche uns jeden Tag neu die Erfahrung, dass Er da ist, dass ER treu und unerschütterlich zu uns steht. Gesegnetes 2017.

Ihr Pfarrer Ludger M. Kauder

Zum Herunterladen:

Stand: 23.04.2017

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