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Liebe Schwestern und Brüder in der Verantwortungsgemeinschaft Werdau-Crimmitschau,

„Berufung – Sammlung – Sendung“, mit diesen drei Stichworten hatte uns seinerzeit Bischof Dr. Heiner Koch eingeladen, über unseren Auftrag als Christen in dieser Zeit und dieser unserer Region nachzudenken. Die Themen „Berufung“ und „Sammlung“ waren wichtige Stichpunkte für seine Fastenhirtenworte 2014 und 2015 (einen weiteren zum Thema „Sendung“ 2016 konnte es dann ja aus bekannten Gründen nicht geben).

Jeder Christ hat durch seine Taufe und Firmung eine grundlegende Berufung. In der Taufe und Firmung wurden wir alle mit heiligem Chrisam gesalbt. Wir erhalten nicht nur den Name „Christ“, wir werden nicht nur auf den Namen Jesu Christi getauft, sondern werden wie Christus (= der Gesalbte). Als solche Christus-Menschen sollen wir in der Welt leben und mehr noch als solche Gesalbte für andere Menschen erfahrbar werden. Durch unser Leben soll Christus in der Welt verkündet werden – das ist unsere Berufung.

Als Christen sind wir, auch in unserer harten Diaspora, nie allein. Wir bedürfen als Gesalbte der Gemeinschaft mit Christus und untereinander. Deshalb versammeln wir uns zum Gottesdienst und darüber hinaus, weil wir uns unserer Berufung als Christen vergewissern müssen. Als ich vor nicht allzu langer Zeit mit einem jungen Mann gesprochen habe, der um die Taufe bat, fragte ich ihn, warum er denn unbedingt katholischer Christ werden möchte. Seine Antwort: „Weil es nach euren Gottesdiensten immer so schön ist“. Diese Antwort irritierte mich zunächst, aber sie zeigt doch etwas ganz Wichtiges: Der junge Mann hatte erlebt, wie sich Christen nach dem Gottesdienst als Geschwister begegnen, persönliche Freud und persönliches Leid miteinander teilen… Als Christen brauchen wir die Stärkung durch SEIN Wort und Sakrament, wir bedürften der gegenseitigen Stärkung, des sich Verzeihens, sich aushalten Lassens, des miteinander Lachens, Klagens und Weinens…Dazu und dafür sammeln wir uns zur Liturgie und darüber hinaus. Gerne zitiere ich Bischof Koch: „Wir brauchen einander“.

Und schließlich bedürfen wir der Sendung. Am Ende einer jeden Eucharistiefeier steht der Entlassungsruf, welcher im lateinischen Original lautet „ite missa est“, was übersetzt eigentlich bedeutet: „Geht, es ist Sendung“ … Die Sammlung soll uns als Berufene zu unserer Sendung befähigen, den „Wohlgeruch der Erkenntnis Christi zu verbreiten“ (nach 2Kor 2,14). Dies tue jeder in seiner Weise, in seinem Kontext, mit seinen Kräften. Christsein kann nie im binnenkirchlichen Raum stecken bleiben, genügt sich nicht im Stehen und Sitzen in Pfarrhäusern und Kirchen, mögen diese auch noch so schön und neu sein. Wir haben einen Auf-Trag, der immer mit Auf-Stehen verbunden ist. Bischof Koch sagte bei der Weihe der Crimmitschauer Kirche 2013 „Wir sind eine Geh-hin-Kirche“, weil wir zu den Menschen gesandt sind. Was mir lieb und teuer ist, das kann ich nicht für mich behalten…Wenn ich etwas Wunderbares erfahre, möchte ich es teilen…Wenn ich Heilung in meinem Leben erfahre, möchte ich dies auch anderen zu teil werden lassen…

Meine Berufung als Christ nimmt ihren Anfang in Gemeinde und lässt sich in dieser immer wieder stärken und erneuern; aber sie muss sich in der Welt, außerhalb der Gemeinde- und Kirchenmauern verwirklichen. Nur so wird Kirche zur katholischen, das heißt alles umfassende Kirche.

In dieser Logik stehen auch die pastoralen Dienste unserer Kirche, nicht zuletzt auch der des Gemeindereferenten, in den mich Bischof Heinrich Timmerevers am Sonntag, 27.08.2017, gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen senden wird. Nicht weil wir besonders herausgehoben werden oder ein besonderes Amt verliehen bekommen, feiern wir diese Sendungsfeier. Nein, wir drei Sendungskandidaten erklären uns bereit, unseren Schwestern und Brüdern in ihrer Berufung, ihrer Sammlung und ihrer Sendung zu dienen und mit ihnen gemeinsam den Weg der Nachfolge zu gehen. So versprechen wir dem Bischof „am Reich Gottes mitzubauen, Gottes Wort zu verkünden, Zeugnis für Christus zu geben und die Menschen in Liebe anzunehmen und sie auf dem Weg des Glaubens zu begleiten“. Nicht, weil wir über die Berufung und Sendung anderer verfügen wollen, werden wir Gemeindereferenten, sondern weil wir Helfer der Berufenen sein wollen.

Dass dieser Dienst erstrebenswert und schön ist, habe ich auf den verschiedenen Stationen meines Glaubens- und Ausbildungsweges erfahren dürfen. Seinen Anfang nahm er natürlich in meiner Heimatgemeinde St. Franziskus Crimmitschau, aber dann auch in Werdau, Erfurt, Greiz, Riesa, Wermsdorf und Großenhain. Ich bin vielen Menschen sehr dankbar für ihr Weggeleit und ihre Unterstützung. Da sind nicht wenige, die ganz stark wahrnehmbar meinen Weg begleitet haben, aber ganz sicher auch viele Menschen, von denen ich es vermutlich bis jetzt kaum ahne, die still und leise im Gebet einfach „da“ waren. Dafür danke ich Ihnen allen von Herzen.

Am 08.04.2007 empfing ich in der St. Johanniskirche die Taufe – also vor gut 10 Jahren. Dass ich nun am 02.09.2017 noch einmal dort mit Ihnen Gottesdienst feiern darf, bedeutet mir sehr viel. Freuen würde ich mich, wenn wir uns in diesem Gottesdienst gemeinsam unserer Taufe erinnern könnten.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen und miteinander Feiern in Dresden und in Crimmitschau.

Ihr Matthias Demmich

Komm, Heiliger Geist

Ich glaube,
dass du meine Vorurteile abbauen kannst.

Ich glaube,
dass du meine Gewohnheiten ändern kannst.

Ich glaube,
dass du meine Gleichgültigkeit überwinden kannst.

Ich glaube,
dass du meine Phantasie zur Liebe anregen kannst.

Ich glaube,
dass du mich vor dem Bösen warnen kannst.

Ich glaube,
dass du mir Mut für das Gute geben kannst.

Ich glaube,
dass du mir meine Minderwertigkeitsgefühle nehmen kannst.

Ich glaube,
dass du mir Kraft im Leiden geben kannst.

Ich glaube,
dass du mein Wesen durchdringen kannst.

Komm, Heiliger Geist,
ich glaube an dich!

Adelheid Weigl-Gosse, www.weigl-gosse.de, In: Pfarrbriefservice.deEs ist ein kleines Detail, das mir bei der Betrachtung des Bildes auf unserem diesjährigen Osterbrief ins Auge fällt. Ein kleines Detail, das mich nachdenken ließ. Ein kleines Detail, das uns einen neuen, vielleicht veränderten Blick auf das Geschehen, das hier dargestellt ist, eröffnen kann.

Das Detail: Wer ist Judas? Ich kann es nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Für mich erschließt es sich nicht zwingend, welche der Figuren Judas darstellen soll. Es kann jeder sein. Jeder, der mit um den Tisch herumsteht, jeder, der hier mit am Mahl teilnimmt, kann es sein. Und vielleicht ist das ja gut so. Vielleicht ist es gut, dass es jeder sein kann, der eben noch ganz dicht dran ist, und dann zu dem buchstäblichen Judas wird. Jesus sagt zu allen, die da sitzen: „Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern“ (Mt 26,21). Und jeder der Apostel fragt sofort betroffen: „Bin ich es etwa, Herr?“ (Mt 26,22).

Jedem der Freunde, der engsten Mitarbeiter, der Herausgerufenen schießt die Frage: „Bin ich es etwa?“ (ebd.) durch den Kopf. Ein jeder scheint zumindest in der Theorie und im Stillen für sich selbst die Möglichkeit einzuräumen, dass er zum Verräter werden kann – vielleicht sogar schon geworden ist. Auch die Antwort Jesu: „Einer von euch Zwölf, der mit mir aus derselben Schüssel isst [wird mich verraten].“ (Mk 14,20) hält diese Möglichkeit offen.

Auch Judas stellt die Frage, die alle stellen: „Bin ich es... ?“ (Mt 26,22). Judas stellt diese Frage, obwohl er seinen Plan, Jesus an die Hohenpriester auszuliefern, schon begonnen hat in die Tat umzusetzen (vgl. Mt 26,14-16). Judas stellt die Frage und bekommt zur Antwort: „Du sagst es!“ (Mt 26,25) Aber wem, so frage ich noch einmal, wem genau auf unserem Bild gibt Jesus diese Antwort? Jedem kann dieses „Du sagst es!“ (ebd.) gelten.

Jesus weiß Bescheid. Er weiß, wer ihn verraten wird (vgl. Joh 13,10.26) und er lässt Judas zum Mahl zu, er schickt ihn nicht weg. Judas fragt, ob er es sei, Jesus bestätigt ihm seine Annahme (vgl. Mt 26,25) und gleich im nächsten Vers steht: „Während des Mahls nahm Jesus das Brot ... brach ... das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib“ (Mt 26,26). Und Judas ist dabei.

Wer ist Judas? Bin ich es etwa? Ich bin eingeladen, am Mahl teilzunehmen. Ich bin eingeladen, von Jesus eingeladen, das Mahl der Erlösung – Ostern zu feiern. Ich bin eingeladen, auch wenn mich die Frage: „Bin ich es etwa, Herr [der dich immer wieder verrät, verleugnet]?“ (Mt 26,22) umtreibt. Jesus bietet mir das Brot zum Leben an. Er bietet mir Gemeinschaft, die Erlösung schafft, in der Feier von Ostern wieder an.

Ich wünsche uns, dass wir den Mut aufbringen, ihn zu fragen: „Bin ich es etwa, Herr?“ (ebd.) Ich wünsche uns, den Mut aufzubringen, sein Wort: „Du sagst es!“ (Mt 26,25) zu hören – ohne dies als Vorwurf zu hören, sondern es als eine ausgestreckte Hand Gottes zu verstehen, der um unsere Ängste und Schwachheiten weiß. Ich wünsche uns, dass wir – trotz unserer Gebrochenheit, trotz unserer Schuld, trotz... , trotz des Karfreitags – uns von ihm im österlichen Mahl heilen und neu beleben lassen.

Ich wünsche uns eine gesegnete vorösterliche Zeit. Ich wünsche uns heilende/heiligende Kartage. Ich wünsche uns frohmachende Ostern.

Ihr Pfarrer Ludger M. Kauder

„Jesus Christus ist derselbe:gestern, heute und in Ewigkeit!“ (Hebr 13,8)

Die Grundfreibeträge, das Kindergeld, der Mindestlohn, die Renten – sie steigen. Die Nutzung des Telefons beim Autofahren, aber auch für die Radler wird teurer. Wir haben 2017 einen bundesweiten Feiertag mehr: Der Reformationstag ist für alle Deutschen frei. Da kommt einiges auf uns zu, womit wir uns erst einmal befassen müssen. Donald Trump wird neuer Präsident in den USA. In Italien, den Niederlanden, Frankreich, Norwegen und Deutschland werden in diesem Jahr neue Parlamente gewählt. Da kommt einiges auf uns zu, was wir erst später werden voll erfassen können. Da kommt einiges auf uns zu, was wir nicht werden beeinflussen oder steuern können. Die Lage in Syrien, auf den Philippinen, in der Ukraine, im Irak, im Sudan, in Mexiko, in Nigeria, in Nordkorea, in Israel, in der Türkei und in Palästina bleibt angespannt.

Das neue Jahr beginnt, und wir werden uns wieder viele Dinge vornehmen. Wir werden mit guten Vorsätzen starten. Und wir werden manche dieser hehren Gedanken bald wieder vergessen. Wir werden uns auf neue Dinge einstellen. Und wir werden alte Gewohnheiten beibehalten. Wir werden über Neuerungen stolpern und vielleicht auch manches Mal staunen. Und wir werden auch wieder erleben, dass wir viele Dinge nicht ändern können – auch wenn wir es gern wollen. „Jesus Christus ist derselbe: gestern, heute [, 2017] und in Ewigkeit!“ (Hebr 13,8) In allen Veränderungen, in allen Ungewissheiten, bei allen Neuerungen ist und bleibt Christus derselbe. Und ER bleibt sich, seinem gegebenen Wort und damit auch uns treu (vgl. 2 Tim 2,13). Dieses Wort, diese Zusage lautet: Ich bin da (vgl. Ex 3,14) und ich will, dass ihr lebt (vgl. Ez 18,32).

Ich wünsche uns, dass wir bei all den Veränderungen, die auf uns zukommen IHN im Blick behalten. Ich wünsche uns, dass wir nach IHM Ausschau halten. Ich wünsche uns, dass wir nicht resignieren, wenn Dinge vollkommen anders kommen, als wir sie planten. Ich wünsche uns, dass wir nicht mutlos werden, wenn Schlimmes nicht besser wird. Ich wünsche uns jeden Tag neu die Erfahrung, dass Er da ist, dass ER treu und unerschütterlich zu uns steht. Gesegnetes 2017.

Ihr Pfarrer Ludger M. Kauder

Zum Herunterladen:

Stand: 18.11.2017

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