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Details der Geburts- sowie der Passionsfassade an der Basilika Sagrada Familia, BarcelonaIn einer Zeit, in der immer wieder und überall von Hass und Streit, von Gefühlskälte und Unversöhnlichkeit, von Krieg und Mord, von Hunger und Seuchen, von Kindesmisshandlungen und ... zu hören und zu lesen ist, da wünscht man sich, dass ... In einer Zeit, die kalt und friedlos, die verbissen und lieblos, die hart und gemein, die brutal und ..., da sehnt man sich nach ...

Mitten hinein in diese gerade beschriebene Welt fällt Weihnachten. Mitten in dieser Zeit feiern wir die Geburt von Jesus Christus. Mitten hinein in diese kalte Welt des brutalen Hasses und der verbissenen Kriege, der neidischen Lieblosigkeiten und egoistischen Härte wird er geboren.

Auf dem Bild des aktuellen Gemeindebriefes sehen wir die Ankunft Jesu in dieser unserer Welt. Mitten in unserer Welt, die dominiert ist vom Kreuz, der Trauer, der Verzweiflung, die kalt und erstarrt wirkt, in der er hängt „... elend, nackt und bloß ...“, in der das Kreuz, das Elend, der Tod alles zu überlagern scheint, mitten hinein in diese Kälte, diesen Winter kommt er. Er kommt klein und unscheinbar, unendlich verletzlich, schutzbedürftig.

Mitten hinein in diese Szene kommt Gott. Gott wagt diesen Schritt. Er wagt sich in diese mörderische Kälte. Er riskiert es und kommt, um das Sehnen und die Wünsche der Welt zu erfüllen. Er riskiert es und kommt. Er kommt unscheinbar und klein. Er kommt in einer kleinen Randnotiz, die Geborgenheit und Frieden vermittelt.

Mitten hinein in unsere Welt, die wahrlich nicht ganz heil, nicht überall friedlich, nicht immer gut ist, kommt Gott in seinem Sohn. Mitten hinein in all unsere Sehnsucht und Wünsche nach Leben und Frieden und Heil singen wir, bekennen wir: „Christus, der Retter [der das Kreuz, das uns erlösen wird, schon im Blick hat] ist da.“

Ich wünsche uns, dass wir unserem Sehnen und unseren Wünschen Raum geben. Räume, in denen Christus geboren werden kann. Kleine schützende Räume, in denen ER wachsen und erblühen kann. Ich wünsche uns, dass wir es erspüren und erleben, dass der Retter da ist. Ich wünsche uns, dass wir zu Boten der Randnotiz „Weihnachtsbotschaft“ werden in unserer Welt, die so voller Sehnsüchte und Wünsche ist.

Ich wünsche uns allen frohe, friedvolle und gesegnete Weihnachten. Ich wünsche uns, dass jener kleine Anfang von Weihnachten weitergehe, dass er wachsen und groß werden kann – auch, wenn das Kreuz da ist. Und ich wünsche uns, dass wir uns von Gott anstacheln lassen, in unserer sehnenden und wartenden, friedlosen und kalten Welt Mensch zu werden.

Ihr Pfarrer Ludger M. Kauder

Liebe Schwestern und Brüder,

„Pilger sind wir Menschen“ – mit diesen Worten beginnt ein bekanntes Lied. Sie beschreiben auch das biblische Grundverständnis menschlichen Lebens: Wir sind von Gott gerufen auf einen Lebensweg, wir gehen diesen Weg gemeinsam mit anderen Menschen und mit Jesus Christus, unterwegs gibt es immer wieder Stationen, auf denen wir eine begrenzte Zeit bleiben, aber dann geht der Weg auch immer wieder weiter – wir haben hier keine bleibende Stätte. Das dauerhafte Ziel dieses unseres menschlichen Lebensweges finden wir erst auf einer ganz anderen Ebene – in der ewigen Gemeinschaft mit Gott. „Pilgerschaft“ – das meint ein inneres und äußeres Unterwegssein mit Gott auf dieses große Ziel hin.

Unsere lebenslange menschliche Sehnsucht ist es, irgendwann an einem guten Ort anzukommen und dort für immer bleiben zu können. Crimmitschau und Werdau waren für mich in den letzten Jahren zu solchen Orten geworden, wo ich mir gewünscht habe, bleiben zu können.

Aber die Wirklichkeit unseres Lebens ist eine andere: Alles ist grundsätzlich der Veränderung unterworfen. Die Sehnsucht nach dem unveränderbar bleibenden Ort ist innerweltlich unerfüllbar – sie erfüllt sich erst am letzten Ziel dieses Lebens.

Die großen Linien der Bibel deuten menschliches Leben genau dieser Realität entsprechend: Abraham muss aufbrechen und ist zeitlebens unterwegs. Das Volk Israel ist nach seinem Aufbruch aus Ägypten immer wieder mit neuen freiwilligen und unfreiwilligen Aufbrüchen und mit teilweise radikalen Veränderungen konfrontiert. Jesus hat mit seinen Jüngern kein festes Standquartier, sondern seine Kirche entsteht auf dem Wege. Und mit den Worten „Wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern wir suchen die zukünftige“ ist diese Erfahrung am Ende des Hebräerbriefes auf den Punkt gebracht (Hebr 13,14). So empfinde ich meinen Aufbruch aus dem Pleißental nach Dresden in diesen Tagen als eine menschliche und geistliche Herausforderung durch Gott und ich wünsche Ihnen als Gemeinden, dass auch Sie die anstehenden Veränderungen als Teil des großen Unterwegsseins Gottes mit seinem Volk und als Seine Herausforderung an Sie begreifen. An dieser Stelle grüße ich Sie heute zum letzten Mal, in der großen Pilgergemeinschaft der Glaubenden bleibe ich Ihnen auch weiter herzlich verbunden.

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

„Nehmt einander an, wie Christus Euch angenommen hat zu Gottes Lob!“ Dieser Satz aus dem Römerbrief ist die diesjährige Jahreslosung der evangelischen Kirche. Zu Beginn des Jahres habe ich eine Spruchkarte mit diesen Worten geschenkt bekommen, seitdem steht sie in meiner Gebetsecke und so schaue ich täglich auf diese schlichte Auff orderung. Natürlich ist mir wie jedem anderen verstandesmäßig klar, wie wichtig es ist, dass sich Menschen gegenseitig so annehmen, wie sie sind. Das ist die Grundlage dafür, dass menschliches Zusammenleben gelingt. Und für uns Christen ist die Erfahrung des eigenen Angenommenseins durch Gott gleichzeitig der Maßstab für unsere Bereitschaft zur Annahme anderer Menschen. Das gilt innerhalb von Gemeinschaften und das gilt ebenso gegenüber Außenstehenden und Fremden.

Gleichzeitig beschämt mich dieses Wort, denn es erinnert mich immer wieder daran, wo und wem gegenüber ich diesem Anspruch, „einander anzunehmen“, nicht gerecht geworden bin: Wo ich Annahme verweigert habe, wo ich die Annahmebedürftigkeit des Anderen nicht wahrgenommen habe, oder wo ich schlicht und einfach keine Zeit oder keine Kraft hatte. Gerade in diesen Wochen, in denen ich mehr als sonst auf die vergangenen Jahre zurückschaue, wird mir da manche misslungene Begegnung schmerzlich bewusst.

Und schmerzlich bewusst wird mir auch, dass in den meisten Fällen daran nun nichts mehr zu ändern ist. Allerdings: Dass Christus auch jeden Menschen, den anzunehmen mir nicht gelungen ist, in seiner Liebe annimmt, das ist dabei ein echter Trost. Dieser Satz der Jahreslosung bleibt ein täglicher Stachel im Fleisch – und das ist gut so.

In diesen Sommermonaten sind viele von Ihnen unterwegs und begegnen dabei auch unzähligen fremden Menschen. Dass es Ihnen dabei gelingen möge, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind, und dass Sie auch selbst herzliche Annahme erfahren dürfen, das wünscht Ihnen für die kommende Zeit von Herzen

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

„Abschied", „Wandlung" und „Kontinuität" – mit diesen drei Worten lässt sich das Pfingstgeschehen auf den Punkt bringen, welches wir in diesen Wochen feiern.

„Abschied" nehmen mussten die Jünger von ihrer bisherigen Gemeinschaft mit dem auferstandenen Jesus Christus: Wunderbare Erfahrungen hatten sie machen dürfen, Erfahrungen, welche ihr ganzes Leben verändert hatten. Dafür stand Ostern. Aber von dieser Art des Lebens mit Christus mussten sich die Jünger trennen – das Fest „Christi Himmelfahrt" ist der biblische und liturgische Ausdruck dafür: ER ist nicht mehr so da wie bisher.

„Wandlung" war das, was sie nach diesem Abschied durchmachten. Sowohl der Abschiedsschmerz und die darauf folgende Leere als auch die neuen begeisternden Erfahrungen mit dem Heiligen Geist Gottes ließen sie neues Leben spüren – aus dieser Wandlung entstand die Kirche. Das feiern wir zu Pfingsten.

Und dann aber auch „Kontinuität": Die Jünger entdeckten in diesem Heiligen Geist Gottes neu den Geist Jesu Christi. Das, was ihnen im Unterwegssein mit Jesus von Nazareth wichtig gewesen und was ihnen in der Begegnung mit dem Auferstandenen zur Gewissheit geworden war, all das kam auf ihrem weiteren Weg als die junge Kirche Jesu Christi zum Tragen – auf neue Weise, aber in der Gemeinschaft mit dem selben Herrn Jesus Christus. Dafür stehen im Kirchenjahr die Feste und Sonntage nach Pfingsten.

Auf verschiedene Weise erleben wir als Christen und Kirche heute „Abschiede", „Wandlungen" und „Kontinuität": Wir erleben „Abschiede" von bisher gewohnten und als kostbar erfahrenen Weisen kirchlichen Lebens. Wir machen als Kirche vielfältige „Wandlungen" durch – vieles verändert sich, zum Teil rasant. Und wir sind herausgefordert, durch diese Abschiede und Wandlungsprozesse hindurch das Wesentliche unseres Glaubens und unseres Lebens weiterzutragen, diesem Wesentlichen in neuen äußeren Formen und Gegebenheiten „Kontinuität" zu verleihen.

Für diesen spannenden Weg wünsche ich uns allen Gottes Heiligen Geist!

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

Das Grab ist leerfür unseren „Oster-Doppel:Punkt" haben diesmal die Kinder im Crimmitschauer Kindergottesdienst das Titelbild gestaltet. Wenn ich mir dieses Bild anschaue, fällt mir zunächst die grundlegende Hell- Dunkel-Unterteilung auf, welche mich an viele Dinge in unserer heutigen Welt denken lässt:

„Dunkel" sind all die furchtbaren Dinge, von denen wir täglich aus den Kriegs- und Konfliktgebieten unserer Erde hören und deren Folgen z. B. in Form von Flüchtlingen auch bis zu uns reichen. „Dunkel" ist all der Hass zwischen Menschen, der sich über unzählige Wege verbreitet, von hasserfülltem undifferenzierten Stammtischgerede über verletzende und herabsetzende Internetkommentare, über Gesprächsverweigerungen und gegenseitige Erniedrigungen und Ausgrenzungen im persönlichen und im gesellschaftlichen Leben, bis hin zu dem Punkt, wo verbale Gewalt in Gewalttaten umschlägt. „Dunkel" sind soziale Notlagen, Armut und Perspektivlosigkeit derer, die auf der Schattenseite des Lebens zu Hause sind. „Dunkel" sind Lebenskrisen, Krankheiten und nicht zuletzt die Konfrontation mit dem Tod – in der Trauer um nahestehende Menschen und unausweichlich für jeden Menschen irgendwann einmal auch ganz persönlich.

Für all dieses Dunkel stehen auf dem Bild der ganze untere Teil mit seinen verschiedenen Dunkel-Schattierungen, dafür stehen die drei Kreuze als Werkzeuge des Todes, dafür stehen auch die dunklen Hände auf der linken Bildseite, welche in den hellen, vom Blau des Himmels geprägten Teil des Bildes hineingreifen.

Aber auch die helle Seite lässt mich an Wirklichkeiten unserer Welt und unseres Lebens denken, an ganz wesentliche sogar:

„Hell" sind die Augen und das Gesicht eines Menschen, von dem ich weiß, dass er oder sie mir zugetan ist. „Hell" sind Erfahrungen gelingenden menschlichen Miteinanders, Erfahrungen von Hilfe und Geborgenheit, Erfahrungen von Verstehen und Versöhnung. „Hell" ist die Offenheit junger Menschen für geistliche Erfahrungen, wie sie in der Firmvorbereitung zu erleben war. „Hell" sind die Freude an Gottes Schöpfung in ihrer vielfältigen Schönheit und das Engagement zu ihrer Bewahrung. „Hell" ist der Beistand füreinander in den vielfältigen schlimmen Situationen von denen das „Dunkel" spricht.

Für all dieses Helle steht im Bild der gesamte obere Teil, der „Himmel", dafür steht dessen Hineinstrahlen auch in den dunklen Teil, dafür stehen die hellen Hände.

Genau an der Grenze zwischen „Hell" und „Dunkel" stehen im Bild die Kreuze, steht vor allem das zentrale Kreuz Jesu Christi. Es steht für die Liebe Gottes, die sich auf das menschliche Dunkel eingelassen hat, die sogar ganz und gar in dessen Tiefe eingegangen ist – das Grab an der unteren Bildkante steht für das äußerste Dunkel, steht für die schlimmsten menschlichen Lebenserfahrungen. Und beides – das mit dem weißen Tuch geschmückte leere Kreuz Jesu und das offene leere Grab, in welchem nur noch die weißen Leinentücher vom vergangenen Schrecken künden – beides kündet von der christlichen Grundbotschaft und Grunderfahrung: Dass nämlich das „Dunkel" in all seiner Macht nicht allmächtig ist, sondern dass das „Helle", der menschliche Sieg Gottes über das „Dunkel" die bestimmende und bleibende Wirklichkeit ist.

Ein gesegnetes Nachspüren dieser christlichen Grunderfahrung wünscht Ihnen für die Passions- und Osterzeit von Herzen

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

„So da sein, wie ER da ist" – mit diesen Worten ist die inhaltliche Herausforderung benannt, vor der wir in diesem neuen Jahr im Rahmen des Pastoralen Erkundungsprozesses in unserem Bistum stehen.

Im vergangenen Jahr 2014 hatten sich die Diskussionen weitgehend um äußere und strukturelle Fragen gedreht, vor allem um den territorialen Zuschnitt der „Verantwortungsgemeinschaften", in welchen Gemeinden und in anderen kirchlichen Orten aktive Christen im Gespräch miteinander und mit dem Herrn in Zukunft über den weiteren Weg der Kirche in unserem Raum nachdenken sollen. Im Ergebnis ist unsere neue „Verantwortungsgemeinschaft" seit dem 01.01.2015 nun mit dem Gebiet der beiden Pfarreien Crimmitschau und Werdau umschrieben.

Nachdem diese äußeren Probleme geklärt sind, können wir nun die wesentlicheren inhaltlichen Fragen in den Blick nehmen. Wir stehen ja als Kirche schon seit längerer Zeit vor vielen Herausforderungen, nicht nur hier bei uns, sondern in ganz Europa: Kleiner werdende Gemeinden, Schwierigkeiten bei der Weitergabe des Glaubens an die kommenden Generationen, Herausforderungen durch die Probleme, die es in der Gesellschaft gibt, in deren Mitte wir leben und in der wir Kirche Jesu Christi sein wollen.

Diese Frage – „Wie wollen wir hier in Zukunft Kirche sein?" – wird uns im Gespräch miteinander in unseren Gemeinden, aber ebenso auch in der Ökumene und vor allem konkret als Frage an Gott in diesem Jahr und sicher auch darüber hinaus beschäftigen. Die Herausforderung, als Kirche „so da zu sein, wie ER – Jesus Christus – da ist" verweist uns dabei auf den eigentlichen Kern unseres Christseins: Was bedeutet es, dass wir wie Jesus für die Anwesenheit Gottes in unserer Welt Zeugnis geben, dass wir unser Miteinander in Seinem Sinne gestalten und dass wir uns von Ihm in die Nöte unserer Welt senden lassen? Für das spannende Nachgehen dieser Fragen wünsche ich uns allen Gottes Heiligen Geist.

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

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