Archiv

Liebe Schwestern und Brüder,

„Du bist ein Engel!" sagen wir manchmal aus vollem Herzen zu einem Menschen, der uns in einem entscheidenden Augenblick, manchmal unverhofft, zur Seite steht. Jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit haben Engel Hochkonjunktur: Kaum eine Schaufensterdekoration kommt ohne sie aus. Auf jeder zweiten Weihnachtskarte sind sie anzutreffen. Und natürlich stehen auch in unseren Wohnzimmern die verschiedensten räuchernden und nichträuchernden Engelfiguren.

Das Weihnachtsbild auf der Titelseite dieser „Doppel:Punkt"-Ausgabe haben diesmal Vor- und Grundschulkinder aus der Werdauer Pfarrgemeinde gestaltet. Sie haben dabei den Ursprung der weihnachtlichen Engelmotive in der biblischen Geschichte von der Geburt Jesu in Szene gesetzt: Ganz viele fröhliche Engel umgeben den Stall von Bethlehem, dicke und dünne, weiße und farbige. Sie strahlen eine übergroße Freude aus, ebenso wie Maria und Josef an der Krippe. Der Anlass dieser großen Freude liegt ganz unscheinbar in dieser Krippe – das neugeborene Jesuskind. Und in diesem Kind dürfen wir Christen das große „Ja!" Gottes zu uns Menschen und zu unserer Welt wahrnehmen – das ist der tiefere Grund unserer Freude.

Mit diesem unscheinbaren Kind in der Krippe, mit der Botschaft Jesu und mit der Hingabe seines Sohnes möchte Gott unsere Welt verwandeln, sie zu einem „besseren Ort" machen. Dazu braucht er „Engel", nicht nur in Bethlehem. Und so ist auch in dem ersteren Sinn die Advents- und Weihnachtszeit „Engelzeit": Viele Menschen nehmen sich in diesen Wochen bewusst Zeit, um für Andere ein „Engel" zu sein, besonders für Menschen, die einsam, krank, alt oder in sonst einer Not sind. Ein Besuch, ein kleines Geschenk oder die Abholung und Begleitung zu einer Veranstaltung oder zum Gottesdienst – es gibt viele Möglichkeiten, für einen anderen Menschen zum „Engel" zu werden. In den vergangenen Herbstwochen haben in unserer Region über 800 Menschen im Rahmen der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton" Päckchen für Kinder gepackt, die vor allem in osteuropäischen Ländern in Not leben – da sind viele Menschen gemeinsam zu „Engeln" für diese Kinder geworden. In Werdau engagieren sich seit vielen Jahren Christen aus den verschiedenen Kirchengemeinden im „Ökumenischen interkulturellen Arbeitskreis" und werden für die Bewohner/innen des Asylbewerberheimes auf vielfältige Weise zu „Engeln". In Crimmitschau werden für die ab Dezember zu uns kommenden Asylsuchenden Paten gesucht – auch hier sind „Engel" gefragt.

Vielleicht kann die adventlich-weihnachtliche „Engelzeit" unsere Wahrnehmung schärfen und uns auf Ideen bringen, wo und wie andere Menschen gerade uns, gerade mich als „Engel" nötig haben, auch über Weihnachten hinaus. Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

in diesem Oktober und November jähren sich die Ereignisse des Herbstes 1989 zum 25. Mal. Für viele von uns werden sich in diesen Wochen mit konkreten Tagen ganz tiefe und berührende Erinnerungen verbinden. Manche davon werden ganz persönliche sein wie die Erinnerung an das erste Friedensgebet oder die erste Demonstration, an der man teilgenommen hat, in Werdau oder in Crimmitschau, in Leipzig oder in Dresden. Andere Tage werden von der Erinnerung an Ereignisse geprägt sein, die heute im gemeinsamen historischen Gedächtnis ihren Platz haben: sei es der 9. Oktober mit der gewaltfrei verlaufenen Demonstration der 100.000 in Leipzig oder sei es der 9. November mit der Öffnung der Grenze.

Vieles ist seit diesem unvergesslichen Herbst 1989 geschehen, vieles, worüber es heute durchaus auch sehr unterschiedliche Meinungen gibt – aufgrund der sehr unterschiedlichen Erfahrungen, die jeder Einzelne in dem vergangenen Vierteljahrhundert gemacht hat. Dennoch bleibt die Friedliche Revolution von 1989 ein Grund zu großer Dankbarkeit und Freude. Gerade im Rückblick und im Vergleich zu den vielen sonstigen seither in aller Welt geschehenen politischen Umwälzungen ist es für mich mehr denn je ein Wunder, dass unsere Revolution ohne Gewalt, ohne Blutvergießen verlaufen ist. Denn dass das nicht ein selbstverständlicher Normalfall ist, daran erinnern uns unter anderem die Kriege der 90er Jahre in Jugoslawien ebenso wie die Revolutionsversuche des „Arabischen Frühlings" seit 2011 mit ihren schrecklichen Folgen.

An diesen Aufbruch in die Freiheit werden wir uns in diesen Wochen auf vielfältige Weise auch in unseren Kirchen erinnern. Gleichzeitig machen uns diese Erinnerungen aber auch unsere heutige Verantwortung für Menschen bewusst, die in ihrer Geschichte nicht so viel Glück hatten wie wir in unserer. 

Gesegnete Herbsttage wünscht Ihnen von Herzen
Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Ausblick auf die Pfarrgemeinderatswahlen im September

Nach vier Jahren ist es nun wieder soweit: Die Pfarrgemeinderäte unserer Gemeinden werden neu gewählt. In den vergangenen Wochen wurden Kandidatenvorschläge gesammelt, danach wurden bzw. wird nun jede/r Vorgeschlagene nach ihrer/seiner Bereitschaft gefragt, für die Mitarbeit zu kandidieren. Demnächst werden dann die Kandidatenlisten in den Kirchen aushängen. Am 20./21.9. wählt die Crimmitschauer und am 27./28.9. dann die Werdauer Gemeinde ihren neuen Pfarrgemeinderat. Wahlberechtigt sind alle Gemeindeglieder ab dem 14. Lebensjahr, auch Briefwahl ist möglich.

Mancher wird sich die Frage nach dem Sinn eines Pfarrgemeinderates stellen. Entstanden nach dem II. Vatikanischen Konzil sind die Pfarrgemeinderäte in Deutschland als Gremien konzipiert, durch welche Priester und Laien gemeinsam als Glieder des „Volkes Gottes" ihre Verantwortung für den „Heilsauftrag der Kirche" wahrnehmen. Vorrangiges Aufgabenfeld ist die konkrete Gestaltung des Gemeindelebens, ebenso aber auch die Aktivitäten der Gemeinde nach außen – im Blick auf Probleme in unserer Stadt oder der Welt, im Blick aber auch auf Kontakte zu unseren katholischen und evangelischen Nachbargemeinden.

Dabei kommen die unterschiedlichen Gaben und Fähigkeiten von Gemeindegliedern aus verschiedenen Lebensbereichen zum Tragen. Als gewählte Vertreter/innen der Gemeinde sollen die Pfarrgemeinderatsmitglieder in den Beratungen nicht nur ihre eigene Meinung vertreten, sondern auch die Anliegen der ganzen Gemeinde. Daher ist für eine sinnvolle Arbeit ein hohes Maß an Kommunikation zwischen den Pfarrgemeinderats- und den übrigen Gemeindemitgliedern notwendig.

Auch innerhalb des Pfarrgemeinderates sollen Entscheidungen im gemeinsamen Suchen nach der besten Lösung gefunden werden und im gemeinsamen Hören auf Jesus Christus, der ja der eigentliche Leiter der Gemeinde ist. So kann die Bereitschaft zur Mitarbeit im Pfarrgemeinderat eine ganz spezifische Weise sein, das eigene Getauftund Gefirmtsein konkret werden zu lassen. Die Wahl durch die Gemeindeglieder wiederum ist eine spezielle Form der Berufung durch die Kirche in einen Dienst und in eine Verantwortung.

Pfarrer Michael Gehrk

Liebe Schwestern und Brüder,

„Den Glauben bezeugen in der Welt von heute" – so lautet das Jahresthema unseres Bistums für 2014. Das aus dem Griechischen stammende Kernwort dafür lautet „Martyria". Wörtlich ins Deutsche übersetzt heißt das einfach „Zeugnis", aber natürlich hören wir dabei sofort das deutsche Wort „Märtyrer" mit, mit dem wir Menschen bezeichnen, die für ihren Glauben ihr Leben hingegeben haben. Wie Menschen mit der Hingabe ihres ganzen Lebens den Glauben an Jesus Christus „bezeugt" haben, das war seit den Anfängen der Kirche für viele so „über-zeugend", dass der Begriff „Märtyrer" in andere Sprachen dann mit dieser speziellen Bedeutung einging.

Die „Blutzeugen" des Glaubens haben diese Lebenshingabe zu ihrer Zeit nicht mutwillig gesucht, aber sie haben das getan und gesagt, was ihnen ihr Gewissen und ihre Beziehung zu Jesus Christus eingab, und sie sind dafür eingestanden auch wenn es ihnen Nachteile brachte und im Extremfall sogar das Leben kostete. In unserem Bistum gedenken wir in diesem Jahr des Märtyrers Alojs Andritzki, der vor 100 Jahren, am 2. Juli 1914, im sorbischen Radibor geboren wurde. Als er am 30. Juli 1939 in Bautzen zum Priester geweiht wurde, waren in Deutschland bereits seit sechs Jahren die Nationalsozialisten an der Macht und Europa stand am Abgrund des II. Weltkrieges. Dass er klarsichtig in seiner Jugendseelsorge gegen die menschenverachtende und kirchenfeindliche Politik der Nazis Stellung bezog, brachte ihn schon 1941 ins KZ Dachau, wo er am 3. Februar 1943 starb. Auf seine Weise hat er damals den Glauben in der Welt bis zur Hingabe des Lebens bezeugt.

Die Herausforderungen, unter denen wir als Christen im Jahr 2014 den Glauben zu bezeugen haben, sind ganz und gar andere. In unserem Alltag, in unseren Familien, am Arbeitsplatz, im Leben unserer Städte und Kommunen – jeder von uns ist auf andere Weise und unter anderen Voraussetzungen zum „Glaubenzeugnis" gerufen. Wie „über-zeugend" unser Christsein ist, hängt dabei vor allem davon ab, wie wir leben und handeln, weniger davon, wie wir sprechen oder uns präsentieren.

Gottes Heiligen Geist für Ihr Leben und Ihr Glaubenszeugnis wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

wir leben in einer sich schnell verändernden Welt. Nicht nur technische Entwicklungen vollziehen sich immer rasanter, auch die Gesellschaft verändert sich, Lebensauffassungen sind im stetigen Wandel begriff en und ebenso Formen des menschlichen Miteinanders. Auf viele veränderte Gegebenheiten und Fragestellungen müssen wir auch als Glaubende neue Antworten finden.

So stehen wir auch als Kirche in unübersehbaren Umbruchsprozessen, weltweit ebenso wie auch hier in unserer Region. „Kirche wohin?" lautet da eine der Fragen, denen wir uns gemeinsam stellen müssen, die Frage nach dem weiteren Weg und der zukünftigen Gestalt der Kirche. Aber auch: „Kirche wozu?" – Wozu dient Kirche, wozu dienen wir als Kirche? Um solchen notwendigen Fragen nachzugehen, haben wir uns als Kirche im Bistum Dresden-Meißen auf einen „pastoralen Erkundungsprozess" begeben. Dieser Gesprächsprozess wird auf Gemeindeebene und in regionalen Nachbarschaften stattfi nden, in „Verantwortungsgemeinschaften" benachbarter Gemeinden und kirchlicher Einrichtungen. Wir in den Pleißentalpfarreien Werdau und Crimmitschau werden dabei zusammen mit den Pfarrgemeinden von Meerane, Glauchau und Waldenburg auf diesem „pastoralen Erkundungsprozess" unterwegs sein. Dieser Weg soll ein geistlicher Weg sein, auf welchem wir miteinander sprechen und gleichzeitig auch Christus fragen: „Herr, wohin sollen wir gehen?"

Wohin der Weg uns führen wird, ist derzeit noch offen. Wir gehen ihn aber als Menschen, die durch die Taufe von Jesus Christus in seine Kirche gerufen worden sind, die er immer wieder an seinem eucharistischen Tisch sammeln möchte und die von ihm einen Auftrag für die Welt, in der wir leben, haben. Für unsere sich schnell verändernde Welt.

Taufbecken (Foto: © Martin Manigatterer, Pfarrbriefservice.de)Auf dem Titelbild unseres diesjährigen Oster-„Doppel:Punktes" ist ein Taufstein zu sehen, gefüllt mit Wasser, dem Symbol des neuen Lebens, welches uns Christus geschenkt hat. In Werdau steht ein solcher Taufstein vorn im Blickfeld der Gottesdienstgemeinde und erinnert so immer an das gemeinsame Gegründetsein in der Taufe, in Crimmitschau lädt er im Eingangsbereich als Weihwasserschale zur persönlichen Tauferinnerung ein. Unsere gemeinsame Verantwortung als Getaufte wollen wir in dieser vorösterlichen Zeit unter den Leitworten „Berufung", „Sammlung" und „Sendung" erkunden und dann zu Ostern das neue Leben feiern, zu welchem Jesus Christus uns ruft. Auf einen spannenden Erkundungsweg gemeinsam mit Ihnen freut sich

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

im vergangenen Jahr 2013 hat unser neuer Papst Franziskus mit seinen Gesten und Botschaften die Herzen vieler Menschen berührt, auch meines. So möchte ich Ihnen zu Beginn des neuen Jahres gern einige Worte von ihm weitergeben. Es sind Worte aus seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium – Die Freude des Evangeliums", mit dem er Ende November beschrieb, was ihm am meisten am Herzen liegt.

„Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen. Diejenigen, die sich von ihm retten lassen, sind befreit von der Sünde, von der Traurigkeit, von der inneren Leere und von der Vereinsamung. Mit Jesus Christus kommt immer – und immer wieder – die Freude. ... Ich lade jeden Christen ein, gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet, noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern oder zumindest den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen, ihn jeden Tag ohne Unterlass zu suchen. Es gibt keinen Grund, weshalb jemand meinen könnte, diese Einladung gelte nicht ihm, denn niemand ist von der Freude ausgeschlossen, die der Herr uns bringt. Wer etwas wagt, den enttäuscht der Herr nicht, und wenn jemand einen kleinen Schritt auf Jesus zu macht, entdeckt er, dass dieser bereits mit offenen Armen auf sein Kommen wartet. Es tut uns so gut, zu ihm zurückzukehren, wenn wir uns verloren haben! ... Ich gebe zu, dass man die Freude nicht in allen Lebensabschnitten und -umständen, die manchmal sehr hart sind, in gleicher Weise erlebt. Sie passt sich an und verwandelt sich, und bleibt immer wenigstens wie ein Lichtstrahl, der aus der persönlichen Gewissheit hervorgeht, jenseits von allem grenzenlos geliebt zu sein. Ich verstehe die Menschen, die wegen der schweren Nöte, unter denen sie zu leiden haben, zur Traurigkeit neigen, doch nach und nach muss man zulassen, dass die Glaubensfreude zu erwachen beginnt, wie eine geheime, aber feste Zuversicht, auch mitten in den schlimmsten Ängsten.

Für das neue Jahr 2014 wünsche ich Ihnen von Herzen diese Zuversicht, die aus der Freundschaft mit Jesus Christus entspringt!

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Zum Herunterladen:

Stand: 18.03.2017

banner 1 preis