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Liebe Schwestern und Brüder,

leitwort_2Anfang 2012 lag ein dicht gedrängtes Jahresprogramm mit einem straffen Zeitplan vor uns. So war für Mitte November die Fertigstellung der neuen Crimmitschauer Kapelle geplant, unmittelbar anschließend sollte der Pfarrer nach Werdau ziehen und zum Jahreswechsel 2012/13 sollte dann die offizielle Vereinigung der beiden bisherigen Pfarreien zur neuen gemeinsamen Pfarrei „Hl. Geist“ Werdau-Crimmitschau erfolgen.

Inzwischen sieht der Zeitplan ganz anders aus: Die Kapelle steht jetzt gerade im Rohbau, daher wird die Kirchweihe erst im Frühjahr 2013 sein und erst danach wird der Umzug des Pfarrers nach Werdau stattfinden. Auch der Vereinigungstermin der beiden Pfarreien ist mangels Bischof erst einmal verschoben worden. Es geht also alles viel langsamer, als wir es geplant hatten. Aber sowohl ich als auch die meisten Gemeindemitglieder können mit diesem langsameren Tempo sehr gut leben. Ehrlich gesagt weiß ich heute gar nicht, wie wir unseren ursprünglichen Zeitplan überhaupt hätten schaffen sollen. Es geht langsamer – und das ist gut so.

„Die Entdeckung der Langsamkeit“ lautet der Titel eines vor 30 Jahren erschienenen Bestsellers von Sten Nadolny. Er setzte damals, als „Beschleunigung“ in allen Lebensbereichen noch fraglos als höchstes und erstrebenswertestes Ziel angesehen wurde, einen bewussten Kontrapunkt. Inzwischen stöhnen viele Menschen unter den immer schneller werdenden Abläufen. Das immer höhere Tempo ist zu einem Stress- und Krisenfaktor ersten Ranges geworden. Und an vielen Stellen wird inzwischen die „Langsamkeit“ neu als ein Wert entdeckt – ein Tempo, welches uns Menschen gemäß ist, in dem wir uns als handelnde Personen und nicht nur als Randfiguren undurchschaubarer Prozesse erleben. „Entschleunigung“ ist angesagt.

Die Erfahrungen mit der Entschleunigung unserer gemeindlichen Zeitpläne haben mich in dieser Adventszeit auf das langsame Tempo, in welchem sich die biblischen Weihnachtsgeschichten ereignet haben, aufmerksam gemacht. Auf dem Titelbild sind Maria und Josef mit dem Jesuskind zu sehen, wie sie mit einem typischen Verkehrsmittel ihrer Zeit unterwegs sind, auf einem Esel. Das geht wesentlich langsamer, als wir uns heute fortzubewegen gewohnt sind.

Diese biblischen Geschichten können uns in der Advents- und Weihnachtszeit auch den Wert der Langsamkeit neu erschließen. Manchmal werden wir diese Erfahrung auch eher unfreiwillig machen, wenn irgendetwas nicht so schnell geht, wie wir uns das vorstellen. Das muss dann kein Grund zum Ärgern sein, sondern es kann uns auch einfach dankbar sein lassen über so unverhofft erfahrene „Entschleunigung“.

So wünsche ich Ihnen für die Advents- und Weihnachtszeit, dass vieles für Sie langsamer geht als gewohnt und geplant – denn das tut gut.

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

den ganzen Sommer über hingen in unseren drei Kirchen Aushänge mit einer immer länger werdenden Namensliste. Namen unterschiedlichster Art standen darauf, die von Ihnen, von Menschen aus unseren Gemeinden, vorgeschlagen worden sind als Patrozinium unserer zukünftigen gemeinsamen Pfarrei. In diesen insgesamt fast 60 verschiedenen Vorschlägen war zu spüren, wie sich viele Gemeindeglieder tiefgründige Gedanken über diesen Namen gemacht haben.

Wenn diese „Doppel:Punkt“-Ausgabe in den Druck geht, läuft das Entscheidungs- und Wahlverfahren für das neue Patrozinium noch. Aber schon die bisherige Diskussion in unseren Gemeinden hat spüren lassen, dass es sich bei der Wahl eines Namens nicht nur um eine nebensächliche Äußerlichkeit handelt. Denn ein Name spiegelt einerseits das Wesen von etwas wider und andererseits stiftet er Identität. Gerade diese identitätsstiftende Bedeutung eines Namens ist ja in vielen Gesprächen auch im Hinblick auf die bisherigen Namen unserer beiden Pfarreien zum Ausdruck gekommen, welche als Patrozinien der Kirchen von Crimmitschau und Werdau sicher auch in Zukunft eine solche Funktion behalten werden.

In der Bibel begegnet uns an vielen Stellen, dass ein Name aber auch das Wesen dessen auf den Punkt bringt, was er benennt. Dies geschieht vor allem da, wo jemand in der Begegnung mit Gott oder mit Jesus Christus eine Veränderung seines Lebens und seiner Lebensbestimmung erfährt, welche dann ihren Ausdruck auch in einem neuen Namen findet. So ändert Gott den Namen Abrams in „Abraham“ um, als er mit ihm einen Bund schließt und ihn so zum „Vater einer Menge von Völkern“ macht (Genesis 17,5). Und Jesus gibt Simon den neuen Namen „Petrus“ („Fels“), nachdem dieser ihn als den „Messias, den Sohn des lebendigen Gottes“ erkannt und bekannt hat: „Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ (Matthäus 16,18).

Ich wünsche mir und uns allen, dass auch der neue Name unserer gemeinsamen Pfarrei vom Wesentlichen unseres gemeinsamen Glaubens sprechen möge.

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

Tag für Tag kann ich in diesen Wochen vom Treppenhaus des Crimmitschauer Pfarrhauses aus das Wachsen unserer Kirche verfolgen. Die neue St.-Franziskus-Kapelle nimmt gegenwärtig zusehends Gestalt an.

Das „Wachsen der Kirche“ liegt uns auch in einem anderen, im ursprünglichen Sinn am Herzen. Das deutsche Wort „Kirche“ ist ja direkt abgeleitet vom griechischen Wort „Kyriake“ – darin steckt das uns vom „Kyrie eleison“ vertraute Wort „Kyrios“. Mit „Kyrios“ – auf deutsch „der Herr“ – wird im Neuen Testament der auferstandene Herr Jesus Christus bezeichnet. Die „Kyriake“, die „Kirche“, ist also die Gemeinschaft derer, die zum „Kyrios“ gehören, zum Herrn Jesus Christus. Und sie ist die Gemeinschaft, in welcher der „Kyrios“ lebendig ist, die sich an ihm orientiert und mit ihm lebt. Beim „Wachsen von Kirche“ geht es daher zunächst nicht um ein mengenmäßiges sichtbares Wachstum, sondern es geht zuerst einmal um das Wachsen unserer Verbindung mit dem „Kyrios“, mit Jesus Christus.

Die ersten und unverzichtbarsten Bauarbeiten auf unserer Kirchenbaustelle gingen im Juni erst einmal in die Tiefe. Ich habe gestaunt, wie tief zunächst gegraben wurde, wie sorgfältig dann verschiedene neue Baugrundschichten in die Baugrube eingebracht wurden und wie dann darauf die Fundamentmauern gesetzt wurden. Anderthalb Meter hoch wurden diese Fundamente gegossen, welche inzwischen die Bodenplatte tragen. All das wird später nicht mehr zu sehen sein. Aber der inzwischen wachsende sichtbare Bau der Kirche wäre nicht vorstellbar ohne diesen sorgfältig gelegten Grund. Für das „Wachsen der Kirche“ als der sichtbaren Gemeinschaft derer, die zum Herrn Jesus Christus gehören, gilt genau dasselbe. Das Wichtigste ist zunächst der nicht sichtbare Grund: Die persönliche Verbindung jedes einzelnen Gliedes der „Kyriake“ mit dem „Kyrios“, mit Jesus Christus. Dieser Grund wird täglich neu gelegt durch das persönliche Gebet, durch die Orientierung an ihm und seinem Wort sowie durch die Feier seiner Gegenwart in der Gemeinschaft der Kirche, im Gottesdienst.

Ich lade Sie herzlich ein, das äußere Wachsen der Kirche auf der Crimmitschauer Baustelle mit dem inneren Wachsen der Kirche in Ihrem persönlichen Leben zu begleiten.

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

das Pfingstfest ist das Geburtsfest der Kirche: Die Apostel, die mit Jesus unterwegs gewesen und von ihm seine Botschaft von der Gottesherrschaft gelernt hatten, die das Dunkel seines Todes mit durchlitten hatten und die die unfassbaren Erfahrungen mit dem auferstandenen Herrn machen durften – diese Apostel wurden zu Pfingsten von Christus mit seinem Heiligen Geist erfüllt und dadurch zur Urzelle der christlichen Kirche.

In unserem Bistum ist mit diesem Geburtsfest der Kirche seit Jahren die Weihe der neuen Priester verbunden: Sie findet immer am Pfingstsamstag in der Dresdener Kathedrale statt, so dass am Pfingstsonntag die Neupriester in ihren Heimatgemeinden ihre erste heilige Messe feiern. Daher kann auch unsere Crimmitschauer Pfarrgemeinde mit ihrem Neupriester Markus Ruhs an diesem Tag das Fest seiner Primiz feiern.

Diese Verbindung von Geburtsfest der Kirche und Weihesakrament hat einen tiefen theologischen Sinn. Sie erinnert daran, dass die entscheidende Rolle im Leben der Kirche Jesus Christus selbst spielt: Er selbst leitet die Kirche, er selbst lehrt sie durch sein Wort, er selbst wirkt in ihr und ist in ihr gegenwärtig. Auf ihn kommt es in der Kirche an, er macht die Kirche zur Kirche. Im Sakrament der Priesterweihe werden Menschen von Jesus Christus in seinen Dienst genommen – mit all ihren menschlichen Eigenschaften, mit ihren Fähigkeiten ebenso wie mit ihren Begrenztheiten. Der Priester hat in der Kirche die Aufgabe, das zu repräsentieren, was Jesus Christus selbst in seiner Kirche tut: Im Amt der Gemeindeleitung steht er für Jesus Christus, welcher der eigentliche Leiter der Gemeinde ist. Im Amt der Verkündigung leiht er Jesus Christus sein Wort, welcher das eigentliche Wort Gottes in Person ist. Und im Dienst an den Sakramenten ist er für die äußeren Zeichen verantwortlich, in denen Jesus Christus selbst gegenwärtig ist und im Leben der Menschen wirkt.

Ein altes katholisches Sprichwort sagt: „Der Priester am Altar hat kein Gesicht.“ Damit ist genau dieses Wesentliche des Weihesakramentes gemeint: Der geweihte Priester tritt zurück hinter dem, auf den es eigentlich ankommt: Jesus Christus. Im Blick auf ihn, unseren auferstandenen Herrn, wünscht Ihnen allen eine gesegnete Osterzeit und ein frohes Pfingstfest

Ihr Pfarrer M. Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder in den katholischen Pfarrgemeinden von Crimmitschau und Werdau,

leitwort_1mancher von Ihnen wird nach der Startausgabe vom Jahresanfang nun bereits zum zweiten Mal ein Exemplar unseres neuen gemeinsamen Kirchenblattes Doppel:Punkt in den Händen halten, für andere wird dieser Gemeindebrief heute etwas Neues sein. Vor allem all jene, die dem Doppel:Punkt hier zum ersten Mal begegnen, möchte ich als Pfarrer beider Gemeinden an dieser Stelle sehr herzlich grüßen.

In Zukunft soll immer die Osterausgabe des Doppel:Punkt an alle Haushalte unserer beiden Pfarrgemeinden verteilt werden, die übrigen Ausgaben liegen im Zweimonatsrhythmus in den Kirchen und Gemeindehäusern zum Mitnehmen aus. Gemeinsam mit dem Redaktionsteam und den Pfarrgemeinderäten unserer Gemeinden wünsche ich diesem Gemeindebrief eine vielfältige und wohlwollende Leserschaft, damit er auf seine Weise dazu beitragen kann, dass immer mehr Gemeinsamkeit zwischen unseren Nachbargemeinden wächst. Gerade in den kommenden Monaten werden wir dieses und viele andere Kommunikationswege benötigen, um miteinander die künftige gemeinsame Form des katholischen Gemeindelebens im Pleißental zu erarbeiten.

Die ab 01.01.2013 entstehende gemeinsame neue Pfarrei soll ja als gemeinsames Dach für das Leben der beiden Ortsgemeinden in Werdau und Crimmitschau dienen. Während unsere Kirchen natürlich ihre Namen „St. Bonifatius“ und „St. Franziskus“ behalten werden, müssen wir für die neue Pfarrei einen neuen Namen suchen, hinter dem die Crimmitschauer und die Werdauer Gemeindeglieder gleichermaßen stehen können. Denkbar wäre dabei sowohl der Name eines oder einer weiteren Heiligen oder auch die Benennung nach etwas, was uns gemeinsam an Jesus Christus wichtig ist. Zum gemeinsamen Nachdenken darüber möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich einladen.

Das Bild auf der ersten Seite unseres Doppel:Punkt trägt den Titel „Der zerrissene Vorhang“. Es erinnert uns an die gewaltige Symbolik, mit der in den Evangelien beim Sterben Jesu der Tempelvorhang zerreißt, welcher für eine unüberwindliche Trennung und Fremdheit zwischen Gott und Mensch stand. Das ist das große Thema, welches uns als Christen in allen Gemeinden in den kommenden Wochen der Passions- und Osterzeit vor allem beschäftigen wird. Und wenn gleichzeitig dabei auch der Vorhang der Trennung und Fremdheit zwischen unseren Gemeinden zerreißt, dann erleben wir miteinander etwas von Ostern: Neues Leben.

Vielfältige österliche Erfahrungen neuen Lebens wünscht Ihnen allen für die kommende Zeit von Herzen

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

2012 ist das letzte Jahr, in welchem „St. Bonifatius“ Werdau und „St. Franziskus“ Crimmitschau als juristisch selbstständige katholische Pfarreien existieren. Am 1. Januar 2013 werden beide in eine neue gemeinsame Pfarrei aufgehen. Diese neue Pfarrei wird dann nur noch ein Punkt auf der Landkarte unseres Bistums sein.

Wir wollen diese gemeinsame Pfarrei aber bewusst als das gemeinsame Dach von zwei eigenständigen Ortsgemeinden gestalten – daher ist der Name des bereits jetzt startenden neuen gemeinsamen Gemeindebriefes gleichzeitig ein Programm: „Doppel:Punkt“! Auf jeder Landkarte von Westsachsen liegen die Punkte, mit denen unsere beiden Städte markiert sind, übrigens genau so zueinander: eben wie ein Doppelpunkt.

Im Kopf unseres neuen Gemeindebriefes stehen für diese beiden Ortsgemeinden die Figuren unserer beiden Kirchenpatrone, in den Formen, wie sie den Werdauern und den Crimmitschauern seit vielen Jahren vertraut sind. Sie sind deutlich individuell verschieden, nicht nach demselben Schema gestaltet – so sollen auch unsere beiden Ortsgemeinden ihr jeweils vertrautes Gemeindeleben möglichst weitgehend weiterführen können. Aber die Figuren von Franziskus und Bonifatius schauen über den Schriftzug Doppel:Punkt einander an – zwischen beiden Gemeinden soll eine vielfältige Kommunikation wachsen, die dazu hilft, für die gemeinsamen Probleme optimale Lösungen zu finden. Zu solcher Kommunikation beizutragen, das ist eine wesentliche Aufgabe dieses neuen Gemeindebriefes.

Etwas Gemeinsames haben aber beide Figuren schon jetzt: Beide halten in ihren Händen eine Bibel und erinnern uns dadurch an die Basis unseres gemeinsamen Weges: Über alle Unterschiede und Entfernungen hinweg sind wir bereits miteinander verbunden durch unseren gemeinsamen, auf die Heilige Schrift gegründeten Glauben. Ich wünsche uns allen einen guten und gesegneten gemeinsamen Weg durch dieses spannende Jahr 2012!

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Zum Herunterladen:

Stand: 18.11.2017

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