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Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
dass Dein Geschenk
Du selber bist.
(Joachim Ringelnatz)

Liebe Schwestern und Brüder,

leitwort_2„Schenken“ ist das Markenzeichen unseres Weihnachtsfestes geworden. Ich glaube, es tut unserem Schenken gut, wenn wir dabei Maß nehmen am eigentlichen Grund unseres Schenkens, an der göttlichen Gabe, die wir zu Weihnachten feiern. Was Er uns schenkt, ist nicht vorher abgesprochen, ist keine Massenware und keine Verlegenheitslösung.

Was Er uns gibt, hat Hand und Fuß, denn was Er uns schenkt ist sein Eigen, sein Sohn, sein geliebtes Kind: Er schenkt uns sich selbst! Das ist der Kern der Weihnacht. Von Gott schenken lernen bringt warme Herzlichkeit in unser Miteinander und lässt Licht in den Dunkelheiten unseres Lebens auf-strahlen.

Die Freude, in der Adventszeit solche von Herzen kommenden Geschenke vorzubereiten und zu Weihnachten auf solche Weise zu schenken und beschenkt zu werden, wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Pfarrer M. Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

mit einem begeisternden Konzert in der St.-Laurentiuskirche ging am 3. Oktober unser diesjähriger Gospelworkshop „CrimmitschauGospelt“ zu Ende. Eines der schönsten dabei gesungenen Lieder hieß „I give myself away“. Übersetzen kann man diese Worte entweder mit „Ich gebe mich selbst hin.“ oder mit „Ich gebe mein Selbst hin.“ Beides steckt gleichzeitig in diesem englischen Satz.

„Selbsthingabe“ in der Bedeutung der ersten Übersetzung meint dabei eine der kostbarsten Fähigkeiten von Menschen, nämlich um eines höheren Gutes willen aus freier Entscheidung das eigene Leben oder etwas, was lebenswichtig ist, loszulassen. Wenn jemand sein Leben opfert, um einen anderen zu retten, dann ist das eine solche „Selbsthingabe“, aber ebenso, wenn jemand eigene Lebenskraft und Lebenszeit für andere einsetzt, ohne persönlich einen Nutzen davon zu haben. Die Heiligen, deren die Kirche immer zu Beginn des Monats November gedenkt, sind auf vielfältige Weise zu solcher Selbsthingabe fähig gewesen – das macht christliche Heiligkeit in der Nachfolge Christi aus.

Mit dem loszulassenden „Selbst“ in der zweiten der beiden Übersetzungen ist demgegenüber der bewusste Verzicht darauf gemeint, sich in seinem Leben immer nur um sich selbst zu drehen, sich selbst immer in den Mittelpunkt zu stellen und dabei alle anderen Gesichtspunkte, auch die berechtigten Blickwinkel anderer Menschen, zu übergehen. Wer auf eine solche Weise nur auf sich selbst bezogen ist, der ist in einem falschen Selbst gefangen. Das Verlassen dieses falschen Selbst ist gleichzeitig ein Schritt zur persönlichen Reifung, der einen Menschen näher an sein wahres Selbst führt.

In beiden Übersetzungen aber meint „Selbsthingabe“ ein Reifen in der Fähigkeit zu lieben. Und das ist das, was im Leben wirklich zählt.

Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

in der Würzburger Neumünsterkirche befindet sich eine äußerst ungewöhnliche Darstellung des Gekreuzigten. Die aus dem Jahre 1350 stammende Holzplastik zeigt Jesus am Kreuz mit den vielfältigen Wunden der Geißelung und Kreuzigung bedeckt – die Arme jedoch hat dieser Gekreuzigte vom Kreuz gelöst und deutet mit ihnen eine liebevolle Umarmung an. Es ist eine Umarmung, welche dem Betrachter gilt, mir, der ich vor diesem Kreuz stehe und betend verweile. Und mit dieser Umarmung sagt mir dieser Gekreuzigte gleichzeitig, dass die Liebe stärker ist als alles Leid, ja sogar stärker als der Tod.

Wer diese ungewöhnliche Plastik geschaffen hat ist unbekannt, aber dieser mittelalterliche Künstler hat mit ihr meisterhaft in Szene gesetzt, warum das Kreuz für uns Christen ein Heilszeichen ist: Weil es uns in allen Nöten unseres Lebens und ebenso auch angesichts alles himmelschreienden Leides in unserer Welt daran erinnert, dass dieses nicht die letzte und alles bestimmende Wirklichkeit ist, sondern dass wir glauben dürfen, dass stärker als alles Leid und alle Not eben die Liebe ist. Und es ist eine Liebe, die nicht nur menschlichen Fähigkeiten entspringt, sondern die ihren unerschöpflichen Urgrund in Gott hat.

Jedes Jahr am 14. September feiert die Christenheit seit dem 5. Jahrhundert das Fest der „Kreuzerhöhung“, welches ursprünglich auf den Brauch zurückgeht, an diesem Tag in der Jerusalemer Auferstehungskirche dem Volk feierlich das Kreuzesholz zu zeigen. So kann man dieses Fest als eine herbstliche Kurzfassung von Karfreitag und Ostern verstehen, als eine kleine Erinnerung an das Grundgeheimnis unseres Glaubens, welches wir im Frühjahr so ausführlich gefeiert haben.

Das Würzburger Neumünsterkreuz lädt mich in diesen innersten Raum des Glaubens ein. Die liebevolle Umarmung, die der Gekreuzigte mir anbietet, lässt mich die eigentliche Erhöhung von Kreuz und Leid erspüren: Sie geschieht immer dort, wo Menschen sich durch Leiden nicht verbittern und verhärten lassen, sondern wo sie sich durch ihre Liebe als stärker erweisen.

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

Sommerzeit ist Reisezeit. Viele von Ihnen werden sich in diesen Wochen auf den Weg machen, manche zu kleinen Ausflügen, andere zu großen Urlaubsreisen, mit dem Auto, der Bahn oder dem Flugzeug, der eine oder andere vielleicht auch mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Die Faszination des Reisens liegt in der Veränderung, im Erleben anderer Orte, anderer Abläufe und anderer Menschen, in der Begegnung mit etwas, das anders ist als gewohnt. Wir Menschen brauchen ab und zu einmal eine „Luftveränderung“ oder einen „Tapetenwechsel“, wie wir umgangssprachlich sagen. Kurz vor dem Urlaub steigt die Sehnsucht danach immer ganz hoch an.

Auch unsere Gemeinde macht sich in diesem Sommer auf die Reise. Veränderungen stehen an, welche allerdings von Vielen gar nicht als so faszinierend empfunden werden, eher als besorgniserregend. Andere Orte – Werdau und Fraureuth – erscheinen auf einmal in unserer Gottesdienstordnung, andere Abläufe sind ab August in einigen Bereichen notwendig, andere Menschen werden in den kommenden Monaten und Jahren in das Leben unserer Gemeinde eintreten.

Vielleicht kann so manche schöne Urlaubserfahrung mit Dingen, die anderswo eben anders sind, dazu beitragen, dass wir auch die kommenden Veränderungen hier bei uns in Crimmitschau und Werdau nicht nur als Problem begreifen. Sie sind auch Ausdruck einer Beweglichkeit, die uns in unserem Christsein und unserer Glaubenspraxis weiterbringen kann. Die Faszination der Veränderung, die wir beim Reisen erleben, die Sehnsucht nach neuen Horizonten, die uns in diesen Wochen ergreift, die kann in uns ein Gespür dafür wachrufen, dass auch die Reise, die für unsere Crimmitschauer wie gleichzeitig auch für die Werdauer Pfarrgemeinde in diesem Sommer beginnt, ein Aufbruch zu neuen Horizonten sein kann. Und als Glaubende können wir darin auch Horizonte entdecken, die Gott uns gern zeigen möchte, vielleicht schon seit Langem.

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

ein großes Fest steht uns allen bevor! Am 13. Juni 2011 – dem Pfingstmontag – wird in Dresden der sorbische Priester Alojs Andritzki, welcher am 3. Februar 1943 im KZ Dachau den Märtyrertod erlitten hat, seliggesprochen.

Kaplan Andritzki hatte sicherlich Wünsche und Pläne für seinen künftigen beruflichen und persönlichen Werdegang und gewiss hätte dieser begabte, eifrige und charismatische Priester überaus segensreich in unserem Bistum wirken können. Doch dies alles wurde gleichsam durchkreuzt, da der Kaplan aus seiner Arbeit gerissen wurde und schweres Leiden auf sich nehmen musste.

Doch durch dieses Leiden wurde der junge Priester zur Vollendung geführt, indem er es als ein Kreuz annahm und sich für Christus und seine Kirche hingab. Für mich persönlich ist diese Treue und Hingabebereitschaft das Bewundernswerteste an der Biographie des künftigen Seligen.

Alojs Andritzki sah sich nie als ein Mann des politischen Widerstands, doch indem er unbeirrt und treu seinen priesterlichen Dienst erfüllte, machte er sich die NS-Machthaber zum Feind.

Am Tag seiner Primiz hatte Kaplan Andritzki voll Freude über die Erfüllung seines Lebenstraums laut die Trompete geblasen, und auch im Elend des Konzentrationslagers lebte er diese priesterliche Berufung voll innerer Freude und mit tapferem Ernst. Uns allen kann der künftige Selige in seiner Glaubenstreue ein Vorbild sein!

Wir leben zwar, anders als Alojs Andritzki, nicht (mehr!) in einer kirchenfeindlichen Diktatur, doch können auch wir unseren Glauben nur aktiv und fruchtbar leben, indem wir uns immer wieder bewusst für Christus entscheiden und diese Christushingabe treu leben. Ich selbst werde bald in besonderer Weise von Christus und der Kirche in Dienst genommen, da ich am 14. Mai in der Dresdner Kathedrale zum Diakon geweiht werde. Auch ich möchte vom Vorbild der Treue und Hingabe Alojs Andritzkis lernen. Ich bitte Sie für mich und meinen künftigen Dienst um Ihr Gebet und grüße Sie in herzlicher Verbundenheit.

Ihr Markus Ruhs

Liebe Schwestern und Brüder,

leitwort_3auf den ersten Blick ist es ein romantisches Frühlingsmotiv: Der Durchblick auf ein Kruzifix, umrahmt von jungem frischem Grün. Wo dieses Kreuz steht, ist auf dem Bild nicht erkennbar – lädt es in einem barocken Klostergarten zur Andacht ein oder stellt es an einer viel begangenen Straße ein öffentliches Ärgernis dar?

In verschiedenen Ländern Europas gab es in den vergangenen Monaten und Jahren Streit um Kreuze im öffentlichen Raum: Sind Kreuze in öffentlichen Räumen als religiöse Symbole für Atheisten oder nichtchristlich Gläubige eine Zumutung für deren Gewissensfreiheit? Stellen sie als Ausdruck der historisch gewachsenen europäischen Zivilisation ein über Weltanschauungsgrenzen hinaus schützenswertes Kulturgut dar? Oder stehen sie für Dimensionen des allen gemeinsamen Menschseins, die jenseits religiöser Aussagen bedeutsam sind?

Wenn Kreuzesdarstellungen im öffentlichen Raum als Symbole für die Dominanz des Christlichen in unseren säkularen europäischen Gesellschaften oder als Zugehörigkeits- oder Ausgrenzungszeichen verstanden werden, dann wehren sich Nichtchristen zu Recht dagegen. Wenn aber durch Kreuzesdarstellungen etwas für alle Menschen Bedeutsames seinen sichtbaren Ausdruck im gesellschaftlichen Leben bekommt, dann ist ihre Präsenz durchaus angemessen.

Welche Dimensionen des uns allen gemeinsamen Menschseins macht so ein Kruzifix im öffentlichen Raum bewusst? Zuallererst wird hier ein leidender, sterbender Mensch dargestellt. Damit erhalten menschliches Leiden und die Realität von Sterben und Tod einen ausdrücklichen Platz in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Auch Leiden und Sterben gehören zum Leben – darauf macht dieses Bild gegen alle Tabuisierungen und Verdrängungen aufmerksam. Und es regt dadurch zur Auseinandersetzung mit den leidvollen Seiten auch des eigenen Lebens an, eine Auseinandersetzung, die unabhängig von der religiösen Haltung zur Kraftquelle werden kann. Gleichzeitig stehen Kruzifixe auch für Hoffnung und Zuversicht im Angesicht von Leid und Tod. Seit vor knapp 1700 Jahren die ersten künstlerischen Kreuzesdarstellungen entstanden, nahmen Menschen sie immer auch als Symbol dafür wahr, dass das Leben stärker ist als der Tod. So sind die Kreuze für Millionen Menschen in der europäischen Geschichte zur Quelle von Lebensmut und Kraft geworden und für diese Ermutigung zum Leben stehen sie auch heute.

Diese allgemein menschlichen Erfahrungen verbinden uns Christen mit allen unseren Mitmenschen. In der nun beginnenden Passionszeit und zu Ostern feiern wir sie in der Form, die uns als Glaubenden vertraut und kostbar geworden ist. Gottes Segen für diese Zeit wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

leitwort_1„Vom Ort der Erniedrigung zum Ort der Erhöhung“ – so lautet das Motto des ersten großen Ereignisses in diesem Jahr der Seligsprechung unseres Märtyrerpriesters Alojs Andritzki: Am Samstag, dem 5. Februar, wird in Dresden die Urne mit seiner Asche feierlich in die Kathedrale übertragen, gemeinsam mit den Urnen der anderen beiden aufgrund ihres Widerstandes gegen die Naziherrschaft in Konzentrationslagern umgekommenen Priester unseres Bistums, Bernhard Wensch († 15. August 1942 im KZ Dachau) und Aloys Scholze († 1. September 1942 im KZ Dachau). Kaplan Andritzki war am 3. Februar 1943 ebenfalls im KZ Dachau mit einer Giftspritze ermordet worden.

Nachdem Papst Benedikt XVI. am 10. Dezember 2010 der Seligsprechung von Alojs Andritzki zugestimmt hat, wird diese aller Voraussicht nach am Pfingstmontag, dem 13. Juni 2011, vor der Kathedrale Dresden stattfinden. Aus unserer Gemeinde werden wir eine Busfahrt zu diesem Ereignis organisieren. Mit der Seligsprechung dieses katholischen Widerstandskämpfers werden auch die vielen Anderen gewürdigt, die aus christlicher Überzeugung dem nationalsozialistischen Ungeist widerstanden haben.

Am 5. Februar soll eine Prozession durch Dresden mit den drei Urnen einen Auftakt für die Feierlichkeiten zur Seligsprechung setzen. Der Beginn ist 11:00 Uhr am „Ort der Erniedrigung“ – am Polizeipräsidium in der Schießgasse, wo Alojs zuerst inhaftiert war. Ziel ist die Kathedrale, die am Pfingstmontag durch die Seligsprechung zum „Ort der Erhöhung“ werden wird. Ein Wortgottesdienst wird dort die Prozession abschließen. Zu diesen Veranstaltungen, aber auch zur persönlichen Auseinandersetzung mit diesen Persönlichkeiten sind wir in diesem Jahr alle besonders eingeladen.

Pfarrer Michael Gehrke

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