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Liebe Schwestern und Brüder,

leitwort_1„Ich steh vor Dir mit leeren Händen, Herr …“ mit diesen Worten beginnt ein sehr schönes Lied aus unserem Gesangbuch. Es steht dort nicht bei den Adventsliedern, aber es bringt in diesen Anfangsworten auf den Punkt, was Advent eigentlich ist: Mir meiner eigenen Bedürftigkeit Gott gegenüber bewusst werden, meiner „Gottesbedürftigkeit“, die ich selber nicht stillen kann, sondern die mich das Entscheidende von Gott erwarten lässt: „Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen!“ – in diesem Aufschrei mündet die erste Strophe des so begonnenen Liedes.

Zu Weihnachten feiern wir, dass Gott uns entgegen kommt. In dem über 600 Jahre alten Bildmotiv auf der Titelseite hat der Künstler fast buchstäblich die Antwort auf diesen unseren menschlichen Aufschrei in Szene gesetzt: Gott kommt uns entgegen, er streckt sich uns entgegen – aber das geschieht ganz anders, als wir uns das im Wahrnehmen unserer „Gottesbedürftigkeit“ vorstellen. Dass Sie diesen immer wieder so ganz anderen Gott als die wirkliche Antwort auf alle Aufschreie Ihres Lebens neu entdecken, das wünscht Ihnen für das Weihnachtsfest von Herzen

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Der Einzelne zählt – egal wo.

Seit vielen Jahren begeht die katholische Kirche in Deutschland Mitte November den „Diasporasonntag“. Das griechische Wort „Diaspora“ heißt übersetzt „Zerstreuung“ und bezeichnete im Alten Testament zunächst die Situation kleiner jüdischer Gemeinden außerhalb des Landes Israel, als kleine Minderheiten inmitten einer religiös anders denkenden Umgebung. Für die dann neu entstehenden Christengemeinden war eine solche Situation ebenfalls für Jahrhunderte der Normalfall christlichen Lebens, bis nach der Konstantinischen Wende im 4. Jahrhundert die komplette Christianisierung Europas begann. Seitdem wurde bis in unsere Zeit vielerorts in Europa das Bild einer Mehrheitskirche, zu der möglichst alle gehörten, zum Idealbild von Kirche.

Von „Diaspora“ sprach man, wenn eine konfessionelle christliche Minderheit in einer von einer anderen christlichen Konfession geprägten Mehrheitsgesellschaft lebte – also z.B. als katholische Minderheitsgemeinde im evangelischen Gebiet oder umgekehrt. In diesem Sinne war auch unsere Crimmitschauer Pfarrgemeinde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine „Diasporagemeinde“. Inzwischen sind wir als evangelische und katholische Christen hier in Ostdeutschland gemeinsam in der „Diaspora“ – inmitten einer Mehrheit von Menschen, die zur Kirche und oft auch zu Glauben und Religion keinen Bezug haben. Mancher mag bedauern, dass Kirche hierzulande keine die ganze Gesellschaft prägende Stellung mehr hat. Andererseits aber sind wir als Christen auf diese Weise wieder in der Situation der ersten Jahrhunderte – und dieses ursprüngliche Zeitalter ist ja bis heute das Vorbild für die Kirche aller Zeiten.

Das Leitwort des diesjährigen Diasporasonntags bringt eine ganz wesentliche Diasporaerfahrung zum Ausdruck: „Der Einzelne zählt – egal wo.“ In unseren kleinen Gemeinden ist es möglich, eine ganz persönliche Beheimatung zu finden. Andererseits kommt es aber auch auf jeden Einzelnen an und auf seine eigene Initiative. Viele bestärkt in ihrer Treue zum Glauben auch das Gefühl „Es kommt auf mich an. Ich zähle, andere rechnen mit mir.“ Seit 160 Jahren unterstützt das Bonifatiuswerk Christen in der Diaspora und zeigt dadurch, wie wichtig jeder Einzelne für die Glaubensgemeinschaft, für die Kirche ist – egal wo! Unendlich viel Segen ist in diesen 160 Jahren aus dem Bemühen gewachsen, mit Spenden und Materialien für eine stabile Grundlage des kirchlichen Lebens zu sorgen und ein Wachstum im Glauben zu fördern. Wir in Crimmitschau durften das in den vergangenen Jahrzehnten bis heute auf vielfältige Weise erfahren. Das Bonifatiuswerk hilft – dank der Opferbereitschaft vieler Menschen unseres Landes. „Der Einzelne zählt – egal wo.“ Wenn Glaubensweitergabe in der Diaspora gelingt, dann auch deshalb, weil Einzelne erfahren, wie wichtig sie für das Ganze der Kirche sind. Und weil sie spüren dürfen: Ich bin Gott so wichtig, dass er mich in eine Gemeinschaft stellt, in der mein Glaube wachsen kann.

Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

auf dem zentralen Platz des alten Rom, dem Forum Romanum, sind bis heute die Ruinen der Tempel zu finden, welche für die alten Römer von ihren Ursprüngen an als die wichtigsten galten. Diese Tempel waren jeweils Göttern geweiht, welche für die altrömische Gesellschaft eine zentrale Bedeutung hatten, weil sie jeweils für Lebensbereiche standen, die für das Zusammenleben und Gedeihen einer Gesellschaft entscheidend sind. So lässt sich an den Tempelresten des Forum Romanum auch ablesen, worauf die altrömische Gesellschaft aufgrund jahrhundertelanger Erfahrung den meisten Wert legte. Für mich überraschend waren diese ältesten Tempel, z. T. bereits aus dem 6. vorchristlichen Jahrhundert, nicht etwa irgendwelchen Kriegs- und Siegesgottheiten geweiht, sondern Gottheiten, die ganz andere Werte verkörperten: Im Mittelpunkt stand der Tempel der Vesta, der Göttin des häuslichen Herdfeuers, daneben der Tempel des Brüderpaares Kastor und Pollux, welche für eine aufopferungsvolle Geschwisterliebe stehen, und noch ein paar Schritte weiter der Tempel der Penaten, der römischen Familiengötter. Jenseits der damit verbundenen religiösen Vorstellungen stehen diese zentralen Tempelanlagen für die zentrale Bedeutung dessen, was wir heute als „Werte der Familie“ bezeichnen würden. Es war eine grundlegende Erfahrung nicht nur der römischen, sondern aller großen Kulturen der Menschheitsgeschichte, dass ein gelingendes Familienleben für das Gedeihen einer Gesellschaft von entscheidender Bedeutung ist.

Im Christentum wurde diese zivilisatorische Grunderkenntnis aufgenommen und durch die Jahrhunderte immer weiter entwickelt. Auch für das Gedeihen unserer heutigen Gesellschaften ist die Ermöglichung von gelingendem Familienleben von grundlegender Bedeutung. Die Kirchen nehmen dabei in vielen Ländern ihre Mitverantwortung sehr engagiert wahr. Beim großen Bistumsfamilientag am 19. September in Wechselburg wird so manches davon erlebbar sein. Aber auch wir als Gemeinde sind in dieser Hinsicht immer wieder gefordert, ebenso aber auch jede/r Einzelne, nicht zuletzt beim Bedenken unserer Wahlentscheidungen dieses Jahres, wo die Frage nach wirklich familienfreundlicher Politik durchaus eine große Rolle spielen sollte.

Gute Erfahrungen miteinander wünscht Ihnen, nicht nur für die kommenden Wochen, von Herzen

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

IN DIR SEIN, HERR, DAS IST ALLES.
DAS IST DAS GANZE, DAS HEILENDE, DAS VOLLKOMMENE.
DIE LEIBLICHEN AUGEN SCHLIEßEN,
DIE AUGEN DES HERZENS ÖFFNEN
UND EINTAUCHEN IN DEINE GEGENWART.
ICH HOLE MICH AUS ALLER ZERSTREUTHEIT ZUSAMMEN
UND VERTRAUE MICH DIR AN.
ICH LEGE MICH IN DICH HINEIN WIE IN EINE GROßE HAND.
ICH BRAUCHE NICHT ZU REDEN, DAMIT DU MICH HÖRST.
ICH BRAUCHE DICH NICHT ZU ERINNERN
ODER DIR ZU SAGEN, WAS IN DIESER WELT GESCHIEHT
UND WOZU WIR DEINE HILFE BRAUCHEN.
ICH WILL NICHT DEN MENSCHEN ENTFLIEHEN
ODER IHNEN AUSWEICHEN.
DEN LÄRM UND DIE UNRAST WILL ICH NICHT HASSEN.
ICH MÖCHTE SIE IN MEIN SCHWEIGEN AUFNEHMEN
UND FÜR DICH BEREIT SEIN.
STELLVERTRETEND MÖCHTE ICH SCHWEIGEN
FÜR DIE EILIGEN, DI E ZERSTREUTEN, DI E LÄRMENDEN,
STELLVERTRETEND FÜR ALLE, DIE KEINE ZEIT HABEN.
MIT ALLEN SINNEN UND GEDANKEN WARTE ICH,
BIS DU DA BIST.
IN DIR SEIN, HERR, DAS IST ALLES, WAS ICH MIR ERBITTE.
DAMIT HABE ICH ALLES ERBETEN, WAS ICH BRAUCHE
FÜR ZEIT UND EWIGKEIT.

AMEN.

Liebe Schwestern und Brüder,

seit den Anfängen des Christentums besteht ein Spannungsverhältnis in der Frage des Umgangs von Christen mit staatlicher Autorität: So schreibt der Apostel Paulus um 55 an die Christengemeinde von Rom: „Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt.“ (Röm 13,1). Wenige Jahre später findet in derselben Stadt Rom eine blutige Christenverfolgung statt und fast zweieinhalb Jahrhunderte lang ist dann für Christen die Grenze von Gehorsamspflichten gegenüber staatlicher Gewalt genau dort markiert, wo diese etwas verlangt, was gegen das Gewissen ist. In unterschiedlichen Formen durchzieht die Frage nach Gehorsamspflicht und Widerstandsrecht die gesamte Kirchengeschichte und muss in jeder historischen Situation von Christen neu buchstabiert und beantwortet werden. Wie Christen im Jahre 1989 diese Frage buchstabierten und beantworteten, das ist heute, 20 Jahre später, Gegenstand vielfältiger Gedenk- und Jubiläumsveranstaltungen.

Auf welche Weise sind wir selbst aber heute vor diese Frage gestellt? Dem geht z. B. das Christliche Friedensseminar in Königswalde am 9. Mai nach.

Aber es lohnt sich, die Spannung zwischen „Gehorsam“ und „Widerstand“ auch über den politischen Zusammenhang hinaus zu denken. Was für Autoritäten beeinflussen in meinem Alltag mein Leben? Die in meiner unmittelbaren Umgebung oder in den Medien vorherrschenden Meinungen, gut gemachte Werbebotschaften, unhinterfragte Selbstverständlichkeiten? Oder der Leistungs- oder Anpassungsdruck im Beruf, die Sorge um den Arbeitsplatz, die sogenannten Sachzwänge? Auch dies sind Gegebenheiten, die mich als Christen vor die Frage stellen, inwieweit ich es vor meinem Gewissen verantworten kann, mich unter- und einzuordnen oder an welchem Punkt eine klare Gegenposition notwendig ist.

Eine andere Richtung, in die es sich lohnt, diese Spannung zwischen „Ja“ und „Nein“ gegenüber Autoritäten einmal weiterzudenken, sind natürlich auch die unmittelbaren politischen Entscheidungsträger, die unser Leben mitbestimmen, bzw. diejenigen, die sich bei den vielen in diesem Jahr anstehenden Wahlen um unser Mandat für eine solche zeitweilige politische Autorität bewerben. Ob es die Kommunal-, die Landtags- oder die Bundestagswahl oder die Wahl zum Europaparlament ist: Auch hier müssen wir als Christen vor unserem Gewissen verantworten, was wir mit unserer Stimme tun, welche Positionen in den „staatlichen Autoritäten“ wir stärken oder welche wir lieber bremsen wollen.

Die bewusste Ausübung des Wahlrechtes – vor 20 Jahren übrigens gegen den heftigen Widerstand der damaligen „staatlichen Autoritäten“ erstritten – nimmt genau diese Spannung zwischen „Gehorsam“ und „Widerstand“ ernst, in welcher Christen seit inzwischen 20 Jahrhunderten stehen. Dass Sie sich immer wieder dieser Spannung stellen, dazu ermutigt Sie

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

leitwort_3„Ich bin da“ – so lautet der Titel unseres diesjährigen Osterbildes. „Ich bin da“ – so hat sich Gott dem Mose offenbart am brennenden Dornbusch in der Wüste. Das ist die biblische Symbolgeschichte der Grunderfahrung mit einem Gott, der alle unsere konkreten Vorstellungen unendlich übersteigt. Es ist eine biblische Grunderfahrung, die wir teilen dürfen mit den Juden, unseren älteren Geschwistern im Glauben an diesen einen Gott. „Ich bin da“ – die andere Seite dieser biblischen Grunderfahrung ist, dass wir diesem Gott glauben dürfen, dass er mit uns gemeinsam unsere Lebenswege mitgeht und dass er uns einlädt und herausfordert zu einem bewussten Leben mit ihm. Am 4. Sonntag der Fastenzeit werden 19 junge Christ/innen im Sakrament der Firmung bewusst „Ja“ sagen zu einem Leben mit diesem Gott und sie werden sich beschenken lassen von der Kraft Gottes, dem Heiligen Geist. Es ist die rote Farbe der Liebe, die unser Titelbild dominiert – die Liebe ist die innerste Mitte der biblischen Gotteserfahrung und sie ist gleichzeitig das Ziel eines bewussten Lebens aus der Kraft des Geistes Gottes. So ist die rote Farbe auch die Symbolfarbe des Heiligen Geistes. Mit der herzlichen Einladung, sich diesem Geist Gottes in den kommenden Wochen bewusst zu öffnen, wünsche ich Ihnen eine gesegnete Fasten- und Osterzeit!

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

leitwort_2seit dem Frühjahr 2005 weist kein Kreuz mehr an unserer St.‐Franziskus‐Kapelle darauf hin, dass sich in diesem Gebäude eine Gemeinde zum Gottesdienst versammelt und offene Türen täglich zum Eintreten und Verweilen an einem Ort des Gebetes einladen. Aufgrund der Witterungsschäden am bis dahin über dem Eingang hängenden hölzernen Kruzifix hatten wir uns damals zu seiner Sanierung und anschließend zur geschützteren Anbringung im Vorraum der Kapelle entschlossen. Aber die Frage der äußeren Erkennbarkeit unserer Pfarrkapelle blieb bestehen und wurde in den vergangenen drei Jahren auch im Pfarrgemeinderat immer wieder diskutiert, ohne dass allerdings eine für alle zustimmungsfähige Lösung gefunden wurde.

Im Oktober 2008 stießen wir dann auf eine unerwartete Möglichkeit, die im PGR einstimmig für gut befunden wurde: Da Ende Oktober in Seifhennersdorf die dortige katholische Kirche aus baulichen Gründen aufgegeben werden musste, konnten wir das große Stahlkreuz von der Außenfassade dieser Kirche nach Crimmitschau bekommen.

An unserem Kirchweihfest am 30. Januar wollen wir es gemeinsam mit Gästen aus Seifhennersdorf als Standkreuz vor unserer St.‐Franziskus-Kapelle neu aufrichten und einweihen. So wird es an anderem Ort seine ursprüngliche Funktion wieder ausüben: Menschen auf einen Ort des Gebets und des katholischen Gottesdienstes aufmerksam machen.

Pfarrer Michael Gehrke

Zum Herunterladen:

Stand: 20.07.2017

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