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Liebe Schwestern und Brüder,

leitwort_2immer wieder begegnet uns seit einigen Monaten das nebenstehende Logo des XX. Weltjugendtages: In der Mitte weisen die stilisierten Türme des Kölner Domes und blauen Fluten des Rheines auf den Ort dieses großen Treffens junger Christen hin, rechts stellt das rote Weltjugendtagskreuz den Zusammenhang zu den vielen kleinen und großen Jugendtagen seit 1984 weltweit her. Über den Domtürmen ist schließlich der Weihnachtsstern zu sehen, der Stern, dem die Weisen aus dem Morgenland folgten, die uns auch als die „Heiligen Drei Könige“ vertraut sind. Seit 1164 wird deren Grab im Kölner Dom verehrt und ist Anlass, dort in besonderer Weise diese Geschichte aus dem Matthäusevangelium zu betrachten, die für uns untrennbar mit dem Weihnachtsfest verbunden ist. „Dem Stern von Betlehem folgen“, dem Stern, der uns einlädt, aufzubrechen und Christus zu suchen, dieses Motiv wird uns in diesem und im kommenden Jahr nicht nur zur Weihnachtszeit begleiten, sondern es wird auch in den Jahreszeiten eine Rolle spielen, die von unsermGefühl her nicht weihnachtlich sind. Es soll ein geistliches Leitmotiv sein, welches alle die praktischen Vorbereitungen begleitet, die für den XX. Weltjugendtag vom 15.-21. August in Köln und für die davor vom 10.-15. August auch in Zwickau und Crimmitschau stattfindenden „Tage der Begegnung“ notwendig sind.

In diesem Ineinander von praktischer und geistlicher Vorbereitung kann uns manches von Weihnachten ganz neu und anders aufgehen, als wir es im üblichen Dezembertrubel gewohnt sind. Auch in diesem „Franziskusboten“ ist genannte praktische Seite mit der diesmal verbindlichen Quartiererfragung enthalten; der in der Kapelle allmonatlich neu ausliegende „Rastplatz“ lädt ein, sich selbst bewusst auch geistlich vorzubereiten und innerlich aufzubrechen - „dem Stern folgend“. Zu diesem Aufbruch, der uns auf vielfältige Weise zum Kern des Weihnachtsgeheimnisses führen wird, wünscht Ihnen bereits heute von Herzen den Segen Gottes

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

im Oktober beginnt in der katholischen Weltkirche wieder ein „Themenjahr“: Papst Johannes Paul II. hat es in seiner diesjährigen Fronleichnamspredigt ausgerufen, eröffnet wird es zum Eucharistischen Weltkongress vom 10.-17. Oktober im mexikanischen Guadalajara, sein Abschluss wird im Oktober 2005 bei der Weltbischofssynode in Rom gefeiert werden: Wir alle sind eingeladen, diese zwölf Monate als

„Eucharistisches Jahr“

zu begehen, mit vertieftem Nachdenken und bewussterer Feier dessen, was das II. Vatikanische Konzil „Quelle und Gipfel christlichen Lebens“ genannt hat. Daher seien dem September-Oktober-Franziskusboten diesmal einige ausführlichere Gedanken zu diesem Thema vorangestellt.

„Eucharistie“ alias „Heilige Messe“ alias „Mahl des Herrn“ alias „Brotbrechen“ – viele verschiedene Worte gibt es für die zentrale Feier unseres Glaubens, für den Gottesdienst, den wir jeden Sonntag als Fest der ganzen Gemeinde feiern und zu dem sich auch an fast jedem Wochentag Menschen in unserer Kapelle versammeln. Manche dieser Bezeichnungen werden so häufig benutzt, dass wir kaum noch inhaltlich etwas damit verbinden, andere kommen im Sprachgebrauch fast gar nicht vor, haben aber gerade deshalb eine unverbrauchte Frische bewahrt. Allen gemeinsam ist, dass jede dieser Bezeichnungen – entstanden in einer bestimmten Epoche der Kirchengeschichte – eine wesentliche Facette in sich birgt, der es sich lohnt, einmal nachzuspüren und sie für das eigene Leben fruchtbar zu machen.

„BROTBRECHEN“ – im SAKRAMENT das geteilte und zerbrochene Leben Jesu vergegenwärtigen

Alle großen Ereignisse im Leben werden mit einem Mahl begangen: Geburt, Hochzeit, Jubiläen, auch das Begräbnis eines Menschen. So wurde und wird auch das größte Fest der Juden, das Pessach (Pascha), mit einem Familienmahl gefeiert. Damals wie heute gedenken die Juden dabei der entscheidenden Grunderfahrung ihres Volkes mit Gott, der Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten. Im liturgischen Mahl mit der Erzählung von der Befreiung, beim Teilen und Essen des ungesäuerten Brotes und des Pessach-Lammes und beim gemeinsamen Trinken der vier Segensbecher auf die großen Heilstaten Gottes wird diese Befreiungserfahrung vergegenwärtigt.

Als Jesus am Abend seiner Todesangst mit den Jüngern sein letztes Pessach-Mahl feierte, schöpfte er aus dieser verdichteten Glaubenserfahrung seines Volkes Vertrauen in den Vater. Und er legte das neue Heilshandeln Gottes in diese Feier hinein, sein eigenes Leben – „Leib und Blut“ – und seine Lebenshingabe, sein bevorstehendes Sterben und seine erhoffte Auferstehung. Die Evangelisten und der Apostel Paulus überliefern uns den Auftrag Jesu: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Immer wenn die Jünger sich in seinem Namen versammeln, um Gott zu loben, miteinander das Brot zu brechen und aus dem Segenskelch zu trinken, will er bei ihnen sein.

Nach seiner Auferstehung haben die Jünger die ihr Leben ein für allemal verändernde Ostererfahrung, die Erfahrung von Auferstehung und neuem Leben, in dieser Feier wiederentdeckt. Das zerbrochene und geteilte Paschabrot wurde für sie zum Sakrament, zum heiligen Zeichen, in dem das Leben Jesu immer neu gegenwärtig wurde: das unterwegs mit ihnen geteilte, das am Kreuz zerbrochene und das aus Gottes Kraft neu erstandene Leben ihres Messias. So haben sie sich von Anfang an an jedem „Tag der Auferstehung“ versammelt, am Sonntag, dem ersten Wochentag, und haben das „Brotbrechen“ gefeiert, zur sakramentalen Vergegenwärtigung der Mitte ihres Glaubens. Und ebenso feiern wir Christen das bis heute.

„MAHL DES HERRN“ – in KOMMUNION mit Gott und den Menschen leben

In diese Erfahrung des gebrochenen, geteilten Brotes gehören aber auch die elementaren Erfahrungen sowohl der Jünger und Jüngerinnen mit Jesus als auch der ersten Christen und Christinnen mit ihrem auferstandenen Herrn: Dass das selbstverständliche Teilen des ganzen Lebens und auch alles Lebensnotwendigen bei ihren Wanderungen durch Galiläa das Leben der ganzen kleinen Gemeinschaft ermöglicht hat, dass durch dieses Teilen auch mit allen Außenstehenden immer wieder neu Menschen in die Gemeinschaft der Jünger und Jesu hineingenommen worden sind und dass all dies in dem von Jesus gelernten vollkommenen Vertrauen auf den himmlischen Vater geschah – das war eine prägende Grunderfahrung der Jünger von der gemeinsamen Zeit mit dem Menschensohn Jesus von Nazareth. Und so ist auch das österliche Mahl für die erste Christengemeinde zu dem wichtigsten Zeichen ihrer Gemeinschaft geworden, ihrer Zusammengehörigkeit im gemeinsamen Glauben an Jesus Christus, in der Hoffnung auf seine Wiederkunft und im liebenden konkreten Teilen des Alltagslebens in seinem Namen. Gemeinschaft also mit Ihm und untereinander – das lateinische Wort für „Gemeinschaft“ ist das uns vertraute Wort „Kommunion“.

In die „Kommunion“ einbezogen wurden schon seit frühen Zeiten auch Gemeindemitglieder, die aufgrund von Krankheit, Gebrechlichkeit oder auch von Gefangenschaft nicht am gemeinschaftlichen Gottesdienst teilnehmen konnten: Indem ihnen das „Heilige Brot“ gebracht wurde, in der Kommunion zu Hause oder auf dem Krankenlager, erlebten sie sich als Teil der Gemeinschaft, erfuhren sie ganz intensiv die Gemeinschaft mit Christus und mit der ganzen Kirche. Bis heute, auch in unserer Gemeinde, ist die Haus- oder Krankenkommunion ein wichtiges Angebot an alle Gemeindeglieder in den entsprechenden Situationen.

Die Kommunion wurde auch zum verbindenden Zeichen der Gemeinschaft der einzelnen Christengemeinden untereinander, zum Zeichen der allumfassenden Kirche über alle kulturellen, sprachlichen und staatlichen Grenzen hinweg. Leider wurde sie später auch zum Zeichen der Spaltung: Wenn die Lebens- oder Glaubensgemeinschaft zwischen verschiedenen Ortskirchen gestört war, dann war auch die gemeinsame Feier der „Kommunion“ nicht mehr möglich. Diese schmerzliche Wunde, die es bis heute zwischen den Kirchen der katholischen, der orthodoxen und der evangelischen Tradition gibt, muss zuallererst Anlass sein, alles einzusetzen für die Erneuerung einer umfassenden Lebens- und Glaubensgemeinschaft untereinander – damit „Kommunion miteinander“ auch stimmt.

„EUCHARISTIE“ – das GEHEIMNIS des christlichen Glaubens erspüren

Die Grundstimmung der Gedächtnisfeier des Todes und der Auferstehung des Herrn ist die Freude und die Dankbarkeit. Sie ist es so sehr, dass die ganze Feier davon ihren Namen bekommen hat: Das griechische Wort „Eucharistie“ heißt übersetzt einfach „Danksagung“.

Alle Gebete, Lieder, Worte, ja selbst das Schweigen in ihr sind geprägt von der Grundhaltung des Dankens. Mitte und Herzstück der ganzen Feier ist deshalb das große Lob- und Dankgebet, das „Eucharistische Hochgebet“. In ihm preist die Kirche – immer gleichzeitig die am Ort versammelte Gemeinde und die ganze Weltkirche – die Größe und die Herrlichkeit Gottes. Sie dankt Gott für die Gaben der Schöpfung, für seine Liebe und Treue zu uns Menschen und vor allem für seinen Sohn Jesus Christus. In dieser Grundhaltung der Dankbarkeit erspüren wir in jeder Eucharistiefeier das innerste Geheimnis christlichen Lebens und Glaubens: dass in jedem Sterben neues Leben verborgen ist und dass Gott unsere eigentliche Zukunft ist, was immer auch geschieht: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit!“ Und aus diesem Geheimnis heraus können wir unser Leben bestehen.

„HL. MESSE“ – eine WANDLUNG erleben und gewandelt weiter leben

Für das innerste Geschehen in der Eucharistiefeier gebrauchen wir seit Jahrhunderten das Wort „Wandlung“: Wandlung von Brot und Wein in „Leib und Blut Christi“. Wandlung von Symbolen für unser Alltagsleben in Elemente göttlichen Lebens. „Leib und Blut“ ist die biblische Umschreibung für die intensivste lebendige Gegenwart einer Person, hier der Person Jesu Christi. Und durch seine Gegenwart wird auch unser eigenes Leben gewandelt, wird das gewandelt, was wir an Erfahrungen, an Erlittenem, an Frohmachendem und an offenen Fragen mitgebracht hatten in diese Feier. Der Sinn der Eucharistiefeier ist es, dass wir anders wieder hinausgehen, als wir hereingekommen sind, gewandelt durch die Vereinigung mit Christus. Und als „Gewandelte“, als mit der Erfahrung seiner Liebe Beschenkte sind wir beim Hinausgehen auch Gesandte, sollen wir das, was uns in dieser Feier widerfahren ist, weiterschenken und fruchtbar machen für alle Menschen, die uns begegnen. Und so soll die Feier der Eucharistie ein Segen werden auch für jene, die sie nicht kennen oder die (noch) nichts mit ihr anzufangen wissen. Das letzte Wort der lateinischen Liturgie lautet daher auch: „Ite, missa est“ – wörtlich übersetzt heißt das: „Geht, jetzt ist Sendung dran!, Geht, Ihr seid gesandt!“ Von der Bedeutung dieses Gedankens zeugt bis heute die davon abgeleitete übliche Bezeichnung für die Eucharistiefeier: „Messe“. Anders gesagt: Nach der Messe beginnt für uns erst die eigentliche Messe – unsere Sendung in den Alltag.

Viele Worte, vielleicht erdrückend viele, über etwas, was sich eigentlich gar nicht in Worte fassen und erklären lässt: Man muss schon einsteigen da hinein, mit dem eigenen Herzen und mit ganzer Seele, um es zu „verstehen“. In der Mitfeier erschließt sich das Geheimnis der Eucharistie, des Herrenmahles, des Brotbrechens, der Heiligen Messe. Daher ist das „Eucharistische Jahr“ zuvorderst eine Einladung, einzusteigen in dieses Geschehen und die Quelle und den Gipfel unseres christlichen Lebens bewusster und intensiver miteinander zu feiern.

Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

leitwort_1Menschen die Ausschau halten, Menschen die „ganz Auge“ sind, ganz und gar wach für das Neue, Ungewohnte, was ihnen offensichtlich gerade entgegentritt – solche Menschen zeigt der Holzschnitt von Walter Habdank auf der Titelseite unseres sommerlichen „Franziskusboten“.

Viele werden in diesen Wochen unterwegs sein, unterwegs sicher auch in neuen, ungewohnten Ländern, Städten und Situationen. Manche dieser Situationen wird man sorgfältig geplant haben, in andere gerät man ganz überraschend, unerwartet und vielleicht auch unerwünscht.

In all diesem Neuen, Ungewohnten wach zu sein für das, was sich hinter dem Augenschein, was sich unter der Oberfläche verbirgt, „ganz Auge“ zu sein wie die Menschen auf dem Bild, das kann uns neue Horizonte auch für unser Alltagsleben erschließen, das kann uns auch Spuren Gottes in unserem Leben wahrnehmen lassen, für die wir im Stress des „normalen“ Jahreslaufes kaum noch ein Auge haben.

Wache Augen und lohnende Entdeckungen wünscht Ihnen für die Sommerzeit

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder!

Ab 1.Mai weht die blaue Fahne mit dem Kranz von zwölf Sternen über zehn weiteren Ländern unseres Kontinents. Unter anderem sind es unsere Nachbarländer Polen und Tschechien, die dann mit uns gemeinsam die "Europäische Union" bilden. Intensiv wurde in den letzten Wochen und Monaten über Hoffnungen und Befürchtungen diskutiert, die Menschen mit dieser EU-Erweiterung verbinden, wurden Chancen und Risiken abgewogen, allerdings vor allem unter ökonomischen Gesichtspunkten. Kulturelle oder gar religiöse Tiefendimensionen kamen kaum zur Sprache oder wurden zum Teil bewusst abgewehrt.

Aber was bietet Menschen ein wirkliches Motiv für ein gemeinsames Leben in dieser "Europäischen Union"? Die in Brüssel und Straßburg geschaffenen Rahmenbedingungen eines einheitlichen Wirtschaftsraumes und zukünftigen "Eurolandes"? Wohl kaum. Vielmehr wird es die Grunderfahrung des aus der griechisch-römischen Antike entstandenen, durch die jüdisch-christliche Heilige Schrift zutiefst geprägten und durch Aufklärung und Humanismus in die moderne Welt übersetzten Kulturraumes "Europa" sein, welches ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Völker Ost- und West-, wie Nord- und Südeuropas ermöglichen wird.

Dass die Europafahne auf ein biblisches Bild zurück geht, ist dafür trotz allem ein hoffnungsvolles Symbol:

"Ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau, bekleidet mit der Sonne, der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt." (Offenbarung des Johannes 12,1)

Die Zwölfzahl ist dabei das Symbol für das alt- und neutestamentliche Volk Gottes – zwölf Stämme Israels und zwölf Apostel Jesu Christi -; das Blau des Himmels steht für die göttliche Dimension des Lebens. So bekennt die Fahne Europas, was in der Europäischen Verfassung offensichtlich keinen Platz haben darf: dass die Verantwortung des Menschen vor dem unverfügbaren Gott die Grundlage europäischen Lebens ist.

Darüber freut sich, gemeinsam mit Europäern vieler Länder,

Ihr Pfarrer M. Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

mit einem Bild in den warmen Farben des Lebens kommt in diesem Jahr unser österlicher "Franziskusbote" zu Ihnen, mit einem Bild, das in jedem Detail von Ostern erzählt, ja Ostern spüren lässt: Das Leben anderer Qualität, welches wir zu Ostern feiern, dem wir nachspüren und das wir uns in unser Alltagsleben hinein schenken lassen dürfen.

Es ist eine Lebensfreude, die uns aber nicht in eine fröhliche Scheinwelt entführt, sondern die unser ganzes Leben betrifft und verwandeln will, einschließlich der dunklen und leidvollen Seiten. Deshalb steht das Bild des am Kreuz Leidenden und Gestorbenen mitten drin in diesem Bild voller Leben: Das Leben, das wir zu Ostern feiern, das schließt auch das Kreuz mit ein, das nimmt das Leid und Dunkel unserer Welt ernst als Teil des Lebens. Aber zu Ostern feiern wir, wie all das Leid und selbst der Tod eingetaucht ist in ein intensiveres Leben, in ein Leben aus der Lebensfülle Gottes.

In der "40 Tagen" vor Ostern machen wir uns als christliche Gemeinde auf den Weg, um dieses Leben zu suchen: Im Ausprobieren alternativer Lebensstile wie Konsumverzicht, im Schärfen unseres Blickes für Leidende und Schwache vor unserer Haustür und weltweit, im Nutzen von Freiräumen für Besinnung und Gebet - unendlich viele verschiedene Facetten kann diese österliche Suche nach dem "Leben anderer Qualität" haben. Auf den nächsten Seiten finden Sie eine ganze Reihe von Veranstaltungen, die Ausdruck dieser österlichen Suche in unserer Gemeinde sind und zu denen wir herzliche einladen.

Der "rote Faden" unseres gemeinsamen Weges aber wird uns durch die Feier der Sonntage in der Fastenzeit begleiten, wo wir selbst in die Gegenwart dieses Lebens eintauchen dürfen. Der Höhepunkt ist dann die "Heilige Woche" mit dem gemeinsamen liturgischen Weg vom Palmsonntag über Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag in die Osternacht der Auferstehung.

Darum steht im Mittelpunkt unseres Osterbildes der Altartisch: Im Gottesdienst feiern wir das Leben, das Gott uns schenkt. Wir feiern es in über Jahrhunderte gewachsenen Formen und haben so Anteil an der Lebensweisheit von Generationen. Wir feiern dieses Leben aber gleichzeitig auch in Formen, die wir heute selber entdecken und entwickeln, mit denen wir unsere heutigen Lebenserfahrungen zum Ausdruck bringen. Zu diesem spannenden - und manchmal auch spannungsvollen - Miteinander von Altersweisheit und neuem Leben in der Kirche gerade beim Feiern unserer Gottesdienst laden wir alle Gemeindemitglieder herzlich ein.

Eine gesegnete österliche Zeit der Such nach dem "Leben anderer Qualität" wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder,

es war nur ein Nebensatz in der Weihnachtsgeschichte, vielleicht ist er den Engeln auch einfach nur so herausgerutscht im Überschwang der Begeisterung, dieses Wort vom "Frieden auf Erden". Dennoch bündelt genau dieses Wort wie in einem Brennglas die "Frohe Botschaft" von Weihnachten, die Antwort Gottes auf die Sehnsucht der Menschen nach Erlösung und Heil. "Frieden auf Erden" - das gehört zum innersten Kern der Weihnachtsbotschaft. In seiner Art, als Mensch mit Menschen umzugehen hat der erwachsene Jesus diese Friedensbotschaft später buchstäblich "Fleisch werden lassen"; gewaltfrei, ohne Zwang und Druck, mit besonderem Augenmerk auf die Schwachen und an den Rand Gedrängten.

Aber was sollen solche Gedanken Anfang Januar, wenn Weihnachten längst vorbei ist? Stimmt ja gar nicht - die Weihnachtsfestzeit geht noch bis zum 11. Januar und so wie für uns Christen die Weihnachtszeit eben nicht am Abend des 2. Feiertages zu Ende ist, so ist auch die Weihnachtsbotschaft nicht mit dem Abdekorieren der Weihnachtsbeleuchtung erledigt. Es könnte gerade eine Chance sein, noch einmal bewusst nach dem Inhalt von Weihnachten zu fragen, wenn der allgemeine Rummel abgeebbt ist. "Friede auf Erden" - kaum ein Wort wird täglich so durch sein Gegenteil widerlegt wie dieses. Ob es die blutige Gewalt im Nahen Osten. im Irak, in Afghanistan und an den unzähligen "vergessenen" Kriegs- und Bürgerkriegsschauplätzen in aller Welt ist, ob es Gewalttätigkeiten mit Fäusten oder mit Worten oder auch "nur" mit Blicken in unseren alltägliche Beziehungen sind, ob es der Druck am Arbeitsplatz und der "Zwang der Verhältnisse" ist oder ob es die exzessive Darstellung von Gewalt und gewalttätigen Konfliktlösungen auf allen Kanälen ist - das Wort vom "Frieden auf Erden" mutiert gegenüber diesen Realitäten zu einer lächerlichen Phrase hoffnungsloser Naivlinge. Gerade angesichts dieser Realitäten haben wir es nötig, uns von Menschen inspirieren zu lassen, die eine andere Realität verkörpern, die mit ihrer Lebensgeschichte die Weihnachtsbotschaft, die Lebensbotschaft Jesu, haben Realität werden lassen.

Am 15. Januar jährt sich zum 75. Male der Geburtstag Martin Luther Kings, jenes amerikanischen Baptistenpfarrers und Bürgerrechtlers, dessen gewaltfreier Kampf gegen die Rassentrennung und die Unterdrückung der Schwarzen in den USA zum Symbol für die Möglichkeit solcher Veränderungen geworden ist. Viele Veranstaltungen werden in diesen Wochen an ihn erinnern. Zu uns ins Piusheim laden wir herzlich ein zu einem Diavortrag "Auf den Spuren Martin Luther Kings" am Donnerstag, den 22. Januar, 19:30 Uhr, mit Herrn Meusel vom Martin-Luther-King-Zentrum Werdau. Lassen wir uns inspirieren von seinem Impuls zum "Frieden auf Erden", damit wir selbst immer mehr Menschen des Friedens werden, damit Weihnachten auch dann nicht abgehakt ist, wenn der liturgische Weihnachtsfestkreis nach dem Fest der "Taufe des Herrn" zu Ende ist.

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Zum Herunterladen:

Stand: 18.03.2017

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