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Es sind auf den ersten Blick zwei sehr unterschiedliche Monate, die hier in einem „Franziskusboten“ zusammengefasst sind. Der eher graue November, geprägt durch das Gedenken an die Verstorbenen – Allerseelen, Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag-, und dann der Dezember, dessen Dunkelheit durch die Advents- und Weihnachtszeit in ein wohltuendes Licht getaucht ist. Zwei Gegensätze, die durch das Ende des alten und den Beginn des neuen Kirchenjahres auch noch ganz klar voneinander getrennt erscheinen.

Bei näherem Hinsehen und vor allem Hineinhören in die verschiedenen „Töne“, welche in der Liturgie dieser Monate erklingen, da wird allerdings ein tiefer gemeinsamer „Grundton“ vernehmbar. Das Totengedenken ist in unserer katholischen Liturgie eingefasst in zwei freudige, jubelnde Feste: das Allerheiligenfest am 1. November mit dem Blick auf die Vollendung menschlicher Lebensgeschichten in der Herrlichkeit Gottes und das Christkönigsfest am letzten Sonntag des Kirchenjahres mit dem Ausblick auf die ewige Vollendung der ganzen Welt in Christus. Beide Feste schlagen auf ihre Weise den „Grundton“ der Hoffnung an, der uns Christen gerade angesichts von Sterben und Tod geschenkt ist, einer Hoffnung, die nicht nur resignierend von „irgendetwas“ nach dem leider unvermeidlichen Ende unseres irdischen Lebend spricht, sondern einer Hoffnung, die begeistert ist von einer Lebensfülle, für die menschlichen Worte und Bilder gar nicht ausreichen. Es ist ein kraftvoll in die Zukunft ausgerichteter „Ton“, welcher als „Grundton“ durch die Liturgie des grauen Novembermonats hindurch klingt.

Und diesen selben „Ton“ vernehmen wir auch als „Grundton“ der Adventszeit: Ausblick auf das, was noch nicht da ist, Sehnsucht nach einer Lebensqualität, die nicht machbar oder organisierbar ist, die wir uns nur schenken lassen können. Diese Sehnsucht bekommt ihren Raum in den Roratemessen zu ungewöhnlicher Tageszeit - an jedem Adventssamstag früh 6:00 Uhr im Dunkeln in der nur von Kerzen erhellten Kapelle – es ist der Raum, wo wir jeder auf unsere Weise den Dunkelheiten und der Sehnsucht unseres Herzens nachspüren können. Der Sehnsucht, die uns fit macht für die Zukunft. Der „Grundton“ dieser Sehnsucht erklingt in unzähligen kostbaren Bräuchen der Adventszeit, Bräuchen, die uns bereit machen wollen für die Lebensfülle, die Gott uns schenken will. Diese Lebensfülle hat ein für alle Mal ein menschliches Gesicht bekommen in Jesus Christus. Was wir dann zu Weihnachten feiern werden, das ist nicht nur die Erinnerung an die zurückliegende Geburt Jesu von 2000 Jahren. Es ist vor allem die Freude an dem großartigen Geschenk der Liebe Gottes, in welchem unsere Gegenwart trotz allen Dunkels geborgen und unsere Zukunft begründet ist.

Eine gesegnete Zeit des Ausblickens in die Zukunft, die uns Gott verheißen hat, wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Pfarrer Michael Gehrke

Liebe Schwestern und Brüder in Crimmitschau,

zum ersten Mal schreibe ich heute das geistliche Wort für den "Franziskusboten". In den nächsten Tagen und Wochen wird immer wieder "Kennenlernen" unser gemeinsames Thema sein. Von Ihrer Seite kennenlernen des "neuen Pfarrers", von meiner Seite kennenlernen von vielen EInzelnen von Ihnen, von Gruppen und Kreisen der Gemeinde, von bewährten Traditionen und von Problemlagen. Solches Kennenlernen ist die Voraussetzung, dass wir miteinander als Gemeinde Jesu Christi leben lernen.

Dieses Kennenlernen wird kein eigener Programmpunkt im Gemeindeleben der nöchsten Monate (höchstens bei den allersersten Begegnungen) sein. Es wird vielmehr die nächsten Etappen unseres gemeinsamen Weges prägen, mal ganz ausdrücklich, wenn wir einander erzählen, was uns bewegt und was uns wichtig ist, mal eher nebenbei, in Alltagserfahrungen miteinander. Und natürlich wird dieses Kennenlernen nicht nach ein paar Monaten abgeschlossen sein - das Spannende ist ja, ganz gleich, wie lange man sich schon "kennt".

Auf dieses Kennenlernen freue ich mich, auf Begegnungen mit Ihnen und auf das gemeinsame Versuchen, in Crimmitschau als Christinnen und Christen zu leben.

So grüße ich Sie - weitgehend noch unbekannterweise - bereits heute ganz herzlich als Ihr neuer Pfarrer

Michael Gehrke

Im Glauben an den auferstandenen Herrn Jesus Christus verbunden, grüße ich Euch , meine lieben Schwestern und Brüder!

Heute ist mir dieser Gruß besonders wichtig. Ihr könnt Euch vielleicht ein wenig vorstellen, was es für mich heißt, Euch heute das letzte Mal im "Franziskusboten" so zu begrüßen. Ich habe bedingt durch meine Krankheit zum 1. August 2003 auf die Pfarrei "St. Franziskus" in Crimmitschau "verzichtet" (so heißt es in der amtlichen Sprache).

Aber mal ehrlich: Es ist eigentlich gut, dass in unserer/Eurer Pfarrei wieder mal ein neuer Pfarrer beginnt, ein neuer "Wind weht"! So manches ist nach längerer Zeit eingefahren, und ein neuer Pfarrer hat eben auch wieder neuen Schwung! Ich denke sehr gern an die Zeit in "St. Franziskus" zurück! Nicht zuletzt, weil ich hier zwei Phasen des priesterlichen Dienstes erleben durfte. Mein Beginn als Kaplan Ende April 1978. Die herrlichen Begegnungen mit den Jugendlichen auf Bierkisten, in der neu zu beziehenden Wohnung; die Jugendstunden und die Helferkreise. Die vielen Fahrten, trotz der engen Grenzen in der DDR! Das ökumenische Taizé-Treffen, wo sogar sogenannte "Heiden" Quartier für die 100 auswärtigen Gäste gegeben hatten! Es kamen so viele ökumenische Impulse hinzu! In einer Gemeinde, die schon lange mit den evangelischen Gemeinden verbunden ist. Gott sei Dank trägt die gemeinsame Liebe zu Christus heute noch neue Früchte. Denkt nur an den gemeinsamen Gottesdienst am Pfingstmontag im Zöffelpark dieses Jahr! Und so ein ökumenischer Gottesdienst im Freien kann ja nun bei mir als Pfarrer dazu, mit einem tollen jungen Team aus der Ökumene!

Aber auch die vielen Begegnungen mit den anderen Gruppen und Kreisen in unserer Gemeinde. Die vielen Familienfeiern bei Euch zu Hause. Freude und Leid, eine ganze Menge Eurer Sorgen, aber auch viele schöne Erfahrungen durfte ich in Euren Familien machen.

Gerade am heutigen Donnerstag, den 11.06.2003, habe ich die Einladungen an die Pfarrgemeinderatsmitglieder mit meinem Felix (übrigens der 5.) ausgefahren. Dabei habe ich auf der 22 km langen Fahrt durch die Stadt an so viele Hausbesuche gedacht. In fast jeder Straße und in vielen Häusern schlummern Erinnerungen! Schöne und frohmachende, aber manchmal auch traurige und schwere! Ein Priester darf so viel Freude und manches Leid erfahren - und genau das schafft Begegnung und Beziehung unter den Menschen! Und auch davon leben wir. nach 25 Jahren in diesem Dienst wollte und durfte ich mit Euch das Fest des Priesterjubiläums feiern. Ob ich damals etwas als unerfahrener und auch als unbelasteter Kaplan erlebt habe, oder ob es jetzt die Zeit als Pfarrer war. Für alle Zeit möchte ich Euch, den Menschen hier in der Gemeinde "St. Franziskus", herzlich danken. Danken möchte ich auch vielen Menschen aus der hiesigen Region und dem ganzen Dekanat. Auch die vielen guten Menschen will ich nicht vergessen, die mir wichtig wurden, ohne in der Kartei einer katholischen Gemeinde "aufzutauchen"!

Es waren 25 Jahre eines erfüllten Lebens. Als Seelsorger und auch als Presbyter - das heißt: Vorsteher! Das letzte "Amt" fiel mir manchmal, gerade in der letzten Zeit, etwas schwer! Das will ich ehrlich zugeben! Meine einzige Motivation - Priester in unserer katholischen Kirche zu sein, war und ist das zweite vatikanische Konzil: "Das wandernde Volk" - das miteinander unterwegs ist mit Jesus Christus, dem in uns Auferstandenen, der uns durch diese Zeit den Weg zu Gott weißt!

In dieser Verbundenheit grüße ich Euch alle von ganzen Herzen

Euer Pfarrer Michael Wyppler

"Christus ist auferstanden!" - "Er ist wahrhaft auferstanden!"

Meine lieben Schwestern und Brüder! Mit obigem Ruf gegrüßte man sich in der Osterzeit in der Heimat meines Vaters, in Oberschlesien. Wir würden und heute damit schwer tun. Warum eigentlich? Sicher weil uns viele Nichtchristen nicht verstehen. Aber vielleicht auch, weil wir unseren Osterglauben selbst nicht mehr richtig verstehen!

Zuviel sogenannte "Aufklärung" ist uns dazwischen gekommen. Und jetzt sind wir auch im Alltag sprachlos geworden. Manche Zweifel sind in unserem Herzen da, aber die werden nicht mehr öffentlich benannt! Dabei haben wir gerade heute, am "Weißen Sonntag" ein herrliches Evangelium gehört: Der Apostel Thomas will in die Wunden Jesu greifen, sonst kann er nicht an den Auferstandenen Herrn glauben. Thomas kann seine Zweifel und seine Skepsis ausdrücken. Dazu gehört viel Mut. Aber der Mann hat Erfolg! Ist es in unserer Zeit nicht ein großes Vorbild für uns, die wir glauben wollen?! Die Wunden der anderen und auch meine eigenen mutig ansehen! Nur so kann ich mich und andere heilen! Dadurch komme ich zu neuen Einsichten und wichtigen Erkenntnissen. So ist es ja wirklich: Wer seine Wunden zeigt, wer seine Verletztheit anbietet, ermöglicht Beziehung. Nicht nur durch frohe Erfahrungen, auch gerade durch schwere, miteinander bestandenen Situationen, kommen tiefe Verbindungen der Menschen zustande. Das ist im alltäglichen Leben so. Und so ist es auch im Glauben an den Auferstandenen Christus. Wer das Leben wie Jesus lebt, bietet Kontakt in einer Intensität an, die alle Zweifel an seiner Identität schwinden lässt. Jesus meint, was er sagt. Er meint wirklich uns Menschen, die er erlösen will. Uns Menschen, die er auch ZU SICH SELBST erlösen will; und er kann es auch, wenn man ihn ernst nimmt! So praktisch ist Evangelium! Wir können darin auch für unser alltägliches Leben die "Frohe Botschaft" erkennen!

Der Auferstandene bleibt an seinen Wunden erkennbar. Und wir können auch mit unseren Wunden umgehen. Auch wenn die Wunden bleiben, wir werden geheilt, weil ER - JESUS CHRISTUS - unsere Wunden mit trägt! Diese Gabe des Auferstandenen ist uns geschenkt, damit wir voller Mut und Vertrauen sagen können: "Mein Herr und mein Gott!"

Das Gespür dafür wünsche ich ihnen in der Osterzeit 2003!

"Christus ist auferstanden!" - "Er ist wahrhaft auferstanden! Halleluja!"

Meine lieben Schwestern und Brüder!

Schon wieder schreibe ich Euch aus der Zentralklinik in Bad Berka. Das wird hoffentlich der letzte Franziskusbote sein, den ich Euch von hier schicke! Lieber schriebe ich an unserem schönen Computer aus dem "Franziskus-Pfarrbüro"! Doch heute bin ich optimistischer, voller Hoffung, dass bald eine nachvollziehbare, gute Diagnose gestellt wird. Denn langsam vermisse ich Euch und habe Sehnsucht nach den Leuten in der Pfarrei "St. Franziskus".

Das ist umso verständlicher, weil wir miteinander in Sorge sind! Wie geht es weiter mit unserer Welt? Unsere Haltung gegen jeden Krieg ist eindeutig! Wenn wir in diesen Tagen von einem "vorbeugendem Krieg" gegen den Irak hören, macht uns das große Angst und mich empört es! Ein solcher Krieg steht im Widerspruch zum Völkerrecht und natürlich auch zu unserer christlichen Lehre. Ein "vorbeugender Krieg" ist eine Aggression"! Er höhlt das völkerrechtlich festgelegte Gewaltverbot aus! Außerdem wird das ganze internationale System der Staatengemeinschaft (das nach dem 2. Weltkrieg so mühsam gefunden wurde!) in deinen Grundsätzen erschüttert. Es wird politische Instabilität in weiten Teilen der Welt geschaffen. Ganz zu schweigen von den neu entstehenden religiösen Problemen zwischen den Weltreligionen. In den letzten Jahren haben wir erst langsam begonnen, die jahrhundertlang bestehenden alten Gräben zwischen den Religionen zuzuschütten. Wir versuchen jetzt Brücken zu bauen, zwischen den Konfessionen und auch den Religionen. Wollen wir uns diesen Aufbruch kaputt machen lassen?

Natürlich kommt bei uns sofort die Frage auf: Was sollen wir tun? Sind wir als Einzelne nicht in der großen Politik ohnmächtig? Achtung! Das haben wir noch vor 15 Jahren in der DDR auch gedacht! Dann war der Ruf da: "Wir sind das Volk!" Und welche Wunder sind geschehen! Natürlich war damals die Zeit dafür "reif"! Doch viele kleine Schritte von Einzelnen waren dafür notwendig. Wichtig waren auch die vielen Gebete, von ganz vielen Menschen zum "Himmel geschickt"! Darum möchte ich auch jetzt wieder ganz intensiv bitten! An großen, spektakulären Dingen werden wir wenig tun können, aber meine Einladung an Euch alle: "Wachet und Betet!" Es ist auch eine frohmachende Erfahrung für uns, dass die christlichen Kirchen in Deutschland eine eindeutige Position bezogen haben. Deutlicher als bei allen bisherigen Angriffen der NATO haben sie sich dieses Mal gegen einen Krieg im Irak klar ausgesprochen!

Am Lichtmesstag haben wir in den Lesungen von erlösenden Begegnungen gehört. Der Evangelist Lukas ist übrigens einer, der oft im Evangelium die Begegnung als ein heilendes Erlebnis schildert: Da begegnen sich die schwangeren Frauen Maria und Elisabeth und beide werden froh. Sie singen "Magnifikat"! Die Hirten begegnen dem neugeborenen Kind und seinen Eltern. Sie sind begeistert, dass heute noch das Weihnachtsfest der "Renner" in der Weltgeschichte ist! Am Abschluss der Geburtsgeschichte begegnen Maria und Josef mit dem Kind dem greisen Simeon und der Prophetin Hanna. Ein Preisgebet in der Geschichte der Kirche entsteht, dass heute noch in aller Munde ist. In der menschlichen Begegnung kommt uns Gott ganz nahe. Begegnungen schaffen Beziehungen und Beziehung erhält das Leben. Krieg macht alles Leben kaputt! Ich wünsche der ganzen Welt Frieden und uns Allen Gottes Segen! Außerdem wünsche ich uns Kraft und Mut, damit wir über den Weg so mancher menschlicher Begegnung Frieden und Versöhnung finden.

Im Namen aller Mitarbeiter Euer Pfarrer Michael Wyppler

Meine lieben Schwestern und Brüder!

Das Wort zum Neuen Jahr 2003 kommt dieses Mal im Advent aus der Zentralklinik Bad Berka. Eine neue Erfahrung für mich - und auf jeden Fall auch für Euch! Advent - die Zeit der Erwartung im Krankenhaus: - Warten auf das klärende Wort des Arztes; - Warten auf die lange angekündigte Punktion des Rückenmarkes; - Warten auf die Infusion mit Prednisolon. Warten - warten - warten - und ich werde immer geduldiger!

So vieles sieht man dann in einem anderen Licht! Das alltäglich Leben bekommt eine neue Dimension. Sicher eine wesentlichere, als es der Alltag mit seinen vielen kleinen hektischen Aktivitäten zulässt! Eigentlich eine gute Erfahrung! Nachdenken über sich selbst - über das "Woher" und das "Wohin". Aus Gottes Liebe, durch die Liebe der Eltern entstanden, und sicher auch in Gottes Liebe irgendwann vollendet - DAS LEBEN. -

Bald feiern wir Weihnachten und wir schauen auf das Wunder der heiligen Nacht. Eine Nacht, die zum Mittelpunkt der ganzen Weltgeschichte wurde! Gott wollte seine Liebe greifbar - begreifbar - machen - zeigen, dass er selbst Mensch werden will, um unsere Erwartungen mitzutragen. Erwartung, die mit der Liebe zweier Menschen begann und so manchen, alltäglichen Kampf in Geduld durchgetragen hat, wurde zum Geheimnis der geweihten Nacht! Hier wird spürbar und sichtbar, was Liebe bewirken kann. Aus dem geduldigen "Warten können" wächst Weisheit! Eine Gabe, die man in keiner so hoch computergestützten Schule lernen kann. Diese Gabe wächst aus gelebter Liebe die warten und hoffen kann. Auch wenn wir bald die kalendarische Zeitwende zum Neuen Jahr begrüßen werden - die Tugend des Wartens und Hoffens bleibt eine Gabe, die ich Euch allen weiterhin von ganzem Herzen wünsche! So ist die geweihte Nacht, da uns Gottes Liebe so begegnet, das größte Fest zum Beginn einen neuen Jahres! Das zu begreifen, wünsche ich uns alles von ganzem Herzen!

Euer Pfarrer Michael Wyppler, auch im Namen aller Mitarbeiter.

Zum Herunterladen:

Stand: 23.04.2017

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