Linde, gehöhlt, teilweise mit Kupfer ausgeschlagen, farbige Struktur "Sternenstraße", 350 cm hoch, Hängearbeit an Ketten, 1976

AltarkreuzDiese die Kirche dominierende Arbeit gehört zu den eigenwilligsten Gestaltungen des Kreuzes im Werk Elly-Viola Nahmmachers. Die Künstlerin hat es aufgebrochen und in Beziehung zum Kosmos gesetzt. Die Auseinandersetzung mit dem Gedankengut Teilhard de Chardins (nach dem sie zwei Zyklen gestaltete), stehen im Hintergrund. Der Theologe Ullrich Bock betrachtet diese Arbeit auch in seinem Buch" Liturgie in Holz und Metall: "Nicht der Gemarterte, sondern der Herr der Welt hängt am Kreuz. Die Gemeinde betritt das Reich des Allherrschers, des Christuskönigs ... Im Unterschied zum Zwickauer Kruzifix bilden in Werdau Kreuz und Körper eine beinahe vollständige Einheit. Ein Zeichen dafür, dass Christus ganz eins wurde mit dem ihm von Gott auferlegten Opfer. Aber indem er es tut, ist er zum König und Herrn geworden. Das Werdauer Kruzifix schließt die kosmische Dimension mit ein. Durch das Kreuz zieht sich die Sternenstraße. Der Gekreuzigte ist der Herr der Gestirne. Die Ganze Schöpfung ist ihm untertan." Die Gestaltung der Sternenstraße mit Bruchglas und die Lichtgebung durch die dahinter befindlichen Fenster lassen das Heilsgeschehen des Herrn dominierend aufleuchten: Heil vollzieht sich, wo wir in unserem Leben das Kreuz aufleuchten lassen.

aus sechs Baumstämmen gehauen, Linde, ca. 80 cm hoch, teilweise mit Blattgold belegt, Altarplatte 100 x 200 cm, figürlich, beidseitig gestaltet, 1990

Altar RückseiteEin bedauerlicher, für die Künstlerin freilich glücklicher Umstand hat diese kühne und wuchtige Gestaltung ermöglicht: Im Frühjahr 1983 zerstörte der Ausläufer einer Windhose große Teile des 200-jährigen Lindenbestandes im denkmalgeschützten Greizer Park. Große Bestände des alten Holzes landeten im Ateliergarten Elly-Viola Nahmmachers und fanden in großzügigen Plastiken neues Leben, wie zum beispielsweise der Greizer Kreuzweg. Aus solchen schweren Lindenblöcken wurde der Werdauer Altar und das Ambo geschlagen. Allein die körperliche Arbeit der damals schon 75-Jährigen verwundert, wie viel mehr die kühne Gestaltung, eine Fülle christlicher Erfahrung, ein Beispiel gelebten Glaubens.

Altar VorderseiteDie dargestellte Aggression (da hatte die Künstlerin bereits den Markkleeberger und Greizer Kreuzweg gestaltet!) weist auf das Leben des Heiligen Bonifatius hin. Der siebenarmige Leuchter und die Gesetzestafeln zeigen die Nähe zum Judentum, weisen auf unsere gemeinsamen Wurzel, ja, die Gestaltung der Altarplatte, die gleichsam aus dem siebenarmigen Leuchter erwächst, verstärkt die Aussage, dass christlicher Glaube aus dem Judentum hervorgeht. Das Kreuz, die Sakramente, die sieben Gaben des Heiligen Geistes, der Kelch sind leicht auszumachen. Auch der Durchzug durchs rote Meer ist in die Darstellung mit hineingenommen. Auf dem Altar wird die ganze Heilsgeschichte lebendig und gegenwärtig, dort verschmelzen Geschichte und Zukunft. Für eine evangelische Christin wie Elly-Viola Nahmmacher eine ungeheuer eindrucksvolle Aussage. Bevor der Altar in der Werdauer Kirche aufgestellt wurde, machte ihn eine Nahmmacher-Ausstellung im Greizer Sommerpalais im Mai 1990 bekannt.

Linde, getönt, teilvergoldet, mit Eisenkrone, auf Sockel, 250 cm hoch, 1976

Pieta„Ich habe mich als Bildhauerin immer um Harmonie bemüht. Harte Arbeiten herzustellen, die gnadenlos das Grausame, Furchtbare, Erschreckende darstellen, sind mir immer schwer gefallen. Ich habe nur wenige solcher Arbeiten geschaffen, die so hart, brutal, ungeschminkt sind. Sie herzustellen, hat mir direkt körperliche Schmerzen bereitet", bekannte mir die Künstlerin in einem Gespräch. Tatsächlich überwiegt selbst in der schmerzlichsten Stunde Mariens in dieser Darstellung die Harmonie. Die Geborgenheit Jesu im Schoß der Mutter ist der Bildhauerin wichtiger, als die Katastrophe des Todes darzustellen. Auch über diese Gestaltung hat Ullrich Bock meditiert: Der Tod und das Leben verschmelzen in dieser Plastik fast miteinander. Alles an Jesus weist auf den Tod hin. Das Haupt ist leblos zur Seite gefallen. Der rechte Arm hängt herunter. Kein Leben, das steuern, Impulse und Kraft geben könnte, ist mehr in ihm. Hier ist einer an sein Ende gekommen. Die Dornenkrone deutet körperliche und seelische Schmerzen an. Doch der Gescheiterte wird gehalten und geborgen von der Mutter. Wie sie ihn bei der Geburt empfangen hat, so nimmt sie ihn nun wieder in ihrem Schoß auf. Alles an dieser Frau drückt Leben aus. Maria ist ein Symbol der Gnade Gottes. Vor ihrem Leuchten muss der Tod vergehen. Es hat den Anschein, als ob der Tod im Erbarmen ertränke. Die Gestalt des toten Jesus ist furchtbar. Sie wird aber überstrahlt von der Liebe Gottes." Elly-Viola Nahmmacher hat diese vielleicht bedeutendste Skulptur in der Werdauer Kirche lasierend getönt. Nicht viele ihrer Arbeiten haben Farbe als verstärkendes Element erhalten. Sie selbst hat sich lange gescheut, eigene Bildwerke zu tönen. Erst am Ende ihres Lebens griff die Künstlerin häufiger selbst zur Farbe. Die Werdauer

Pieta steht mit am Anfang. Freilich hatte die Tönung auch ganz plausible Gründe: das benutzte Lindenholz, das wie so viele andere Stücke von gebrochenen Bäumen des Greizer Parkes in ihre Werkstatt kam, wies schadhafte Stellen auf, denen sie mit Holzkitt zuleibe rücken musste. Durch die Tönung sind diese Stellen nicht mehr zu sehen. Die Werdauer Pieta entstand unmittelbar in der Auseinandersetzung mit dem Tod von Pfarrer Brüsewitz, der Elly-Viola Nahmmacher so intensiv bewegte. Die Werdauer Pieta ist ein Meisterwerk. Pfarrer Liebster sah es wohl bereits beim Entstehen, denn er drängte in oben zitiertem Brief: "Unsere Firmung ist am 20. Oktober 1976. Ob bis dahin die Madonna fertig ist?"

Linde, figürlich, teilweise getönt, teilvergoldet, 195 cm hoch, 1990

Hl. BonifatiusMit der Gestaltung des heiligen Bonifatius hat sich die Künstlerin schwer getan. Nur einmal in ihrem Leben hat sie diesen Heiligen dargestellt, und die Arbeit verrät eine gewisse Scheu davor. Sein Leben war ihr vertraut, aber mit seiner unbeugsamen Gradlinigkeit, dem Kämpferischen, dem Harten hatte sie wohl ihre Probleme. Der Faltenwurf des Gewandes ist grob, die Haltung starr und fast ohne Bewegung, lediglich der Blick ist nach oben gewandt. Nicht Bonifatius ist wichtig, sondern der, auf den er hinweisen will. Sein unbeirrbarer Glaube wird durch die wuchtige Gestaltung deutlich gemacht. Lieber waren der Künstlerin Lichtgestalten wie die Engel, die Madonnen, die sie höhlen konnte, oder ein fröhlicher Franziskus inmitten einer verspielten Schöpfung. Die farbige Bildhauerskizze, die sich in meinem Besitz befindet, zeigt Bonifatius noch leichter, bewegter, die Arbeit selbst ist ihr etwas schwer geworden, was sie durch Gold und Tönung der Bibel ausgeglichen hat.

Linde, durchbrochen, sehr massiv, Hände, Schlange, Wasser, unter Ambopult geschnitzte Stricke, 65 x 110 cm, 1990

AmboIn gleicher Wuchtigkeit wie die Altarblöcke und wie sie aus starkem Lindenholz herausgetrieben, tritt das Ambo auch in inhaltliche Verbindung zum Altar. Gottes Gegenwart ist im Wort ebenso erlebbar wie in Brot und Wein. Bilder aus dem Alten und Neuen Testament werden dargestellt, pflanzliche Motive, das lebendige Wasser, Stricke. Fesselt der Knoten die Schlange oder will er nur andeuten, dass das lebendige Wort fesselt? Jeder mag seine eigene Deutung finden, es ist viel hineingelegt. Auch im Gebet gefaltete Hände können durchaus gesehen werden, die in Demut das Wort Gottes annehmen. Das Ambo allein würde schon die Meisterschaft der Bildhauerin bezeugen, im Kontext mit den anderen Arbeiten wertet es die Gestaltung der Kirche enorm auf. Auf der Greizer Ausstellung 1990 wurde es, zusammen mit dem Altar und der Bonifatiusstatue, erstmals gezeigt.

Statuen der hier einmal stehenden alten Kanzel

LegileUrsprünglich stand an dieser Stelle eine Kanzel, die mit den vier Evangelisten geschmückt war. Da nach dem II. Vatikanischen Konzil an Stelle der Kanzel der Ambo trat und die Kanzel renovierungsbedürftig war, wurde sie entfernt. Die vier Evangelisten wurden über dem Lesepult (bzw. Legile) angebracht. Hier wird das sonntägliche Evangeliar abgelegt.

Linde, durchbrochen, mit Gold belegt, teilweise getönt, 96 cm hoch (ohne Sockel), Holz auf Kupfersockel und Eisenfuß, zerschweißt. Kerzenständer: Kupferschale getrieben, 1976

OsterleuchterDiese sehr gelungene Arbeit ragt aus den vielfach von ihr gestalteten Kerzenleuchtern heraus. Die gradlinig himmelwärts weisende Gestaltung wird unterbrochen durch Höhlungen, die wie so oft auf die Wichtigkeit des Geschehens hinweisen sollen - durch das Ostergeschehen ist die Verbindung zwischen Himmel und Erde wieder hergestellt, der Mensch in seiner ganzen Fülle ist mit hineingenommen. Auch das Exultet ist angedeutet: "Das Wachs der emsigen Bienen..." Die Waben sind leicht auszumachen.

Zum Herunterladen:

Stand: 08.12.2018

banner 1 preis