Liebfrauen-Kapelle in Fraureuth
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Liebfrauen-Kapelle

Werdauer Straße 67
08427 Fraureuth

Im Jahr 1869 kam es in Fraureuth zur Gründung eines katholischen Vereins. Die ersten nach der Reformation wieder ansässigen Katholiken waren aus katholischen Regionen zugewanderte Arbeiter. 40 Jahre lang wurden die Gottesdienste vom Greizer Pfarramt aus im Tanzsaal des "Schützenhauses" gehalten.

1908 kaufte die Kirchgemeinde ein Kirchbaugrundstück gegenüber der Post, welches zunächst von den Gemeindemitgliedern gärtnerisch genutzt wurde. 1929 erfolgte der Tausch des Grundstückes mit dem heutigen Grundstück an der Werdauer Straße 67, welches eine Größe von 4.000 m2 hatte und damals 8.000 Mark kostete.

Im Jahr 1930 wurde ein Kirchbaukomitee unter Vorsitz von Malermeister Max Wartinger gegründet, nachdem die Kirchgemeinde ab 1.1.1927 vom Werdauer Pfarrer Johannes Kirschenbauer seelsorgerisch betreut wurde. Der Ort verblieb aber wie bisher beim zuständigen Pfarramt Greiz. Dieses gab seine Zustimmung zum Bau der Kapelle, wenn Werdau alle Kosten übernimmt. Am 19.7.1931 fand die Grundsteinlegung durch Pfarrer Johannes Kirschenbauer statt und am 22.7.1931 das Richtfest. Am 23.8.1931 konnte Pfarrer Johannes Kirschenbauer die Glockenweihe der zwei Bronzeglocken aus der Werkstatt Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher in Westfalen vollziehen. Im Dezember 1941 musste die große Glocke als Rüstungsmaterial abgegeben werden. 1954 kam eine neue Bronzeglocke von der Glockengießerei Franz Schilling & Söhne/Apolda mit den gleichen Daten wieder hinzu, aber mit einer anderen Inschrift.

Am 1. Adventssonntag, dem 29.11.1931 erfolgte die feierliche Benediktion (Segnung) der Liebfrauenkapelle durch Erzpriester Johannes Rücker aus Zwickau.

Der Name "Liebfrauen" für die Kapelle entstand in Anlehnung an die Entstehungsgeschichte des Ortsnamens „Fraureuth“, da die Gottesmutter Maria im Mittelalter als „Unsere liebe Frau“ bezeichnet wurde. Mit ihrem gewölbten Dach vermittelt die Kapelle einen künstlerischen Eindruck. Dieser wird durch die ungwöhnliche Rautennetzdachkonstruktion hervorgerufen. Auf dem freitragenden Dach sitzt ein Dachreiter, in dem das Geläut der Kapelle untergebracht ist. Rautennetzdach sowie Dachreiter wurden von einer Dortmunder Baugesellschaft hergestellt. Die Kosten für den Bau der Liebfrauenkapelle und deren Einrichtung, einschließlich Grundstück, betrugen damals 35.000 Mark. Finanziert wurde ein Teil vom Bonifatius-Verein – 5.500 Mark –, der Rest durch die Sammeltätigkeit von Pfarrer Kirschenbauer.

Die Liebfrauenkapelle wurde im Inneren mehrmals umgestaltet. Das erste Altarbild des Kunstmalers Heinrich Uhler aus Plauen, wurde bei der ersten Umgestaltung der Kapelle 1959/60 erneuert. Bei dieser Darstellung der "Kreuzigung Jesu Christi" handelt es sich um eine pastöse Malerei des Dresdner Künstlers Nawroth. Eine Nachbesserung erfolgte im Jahre 1988 durch den Schönfelser Maler Gerhard Wutzler, der auch 1996 die erneute Auffrischung vornahm.

Nach den durch das II. Vatikanische Konzil (1962-65) hervorgerufenen Veränderungen in der Feier der katholischen Gootesdienste wurden zwischen 1970 und 1974 Altar, Ambo, Kerzenständer und Ewiges Licht neu- bzw. umgestaltet. Alle diese Kunstwerke entstammen der Werkstatt der Greizer Künstlerin Elly-Viola Nahmmacher. Die Marienfigur ist aus vergoldeter Bronze. Den Tabernakel emaillierte eine Künstlerin aus Berlin. Während der sandsteinerne Taufstein noch aus dem Entstehungsjahr der Kapelle stammt, handelt es sich bei den Bildern der 14 Kreuzwegstationen nicht mehr um die ursprünglichen. Sie wurden während der Amtszeit von Pfarrer Müller (1974-84) ersetzt.

Das 1959/60 eingebaute Orgelpositiv der Firma Jehmlich, Dresden, wurde im Jahre 1995 überholt. Seit 2013 wird zu den Gottesdiensten eine elektronische Orgel genutzt.

Die letzte Sanierung der Bausubstanz machte sich 1996 erforderlich. Dabei erhielt die Kapelle auch innen und außen wieder einen neuen Anstrich durch die Reichenbacher Malerfirma Rochelmayer.

Aufgrund des sprunghaften Wachstums der katholischen Gemeinde durch den Zuzug vieler Flüchtlinge und Heimatvertriebener nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde am 11.7.1947 in Fraureuth eine eigene römisch-katholische Seelsorgestelle eingerichtet, die später zur Pfarrvikarie erhoben wurde und bis 1990 einen eigenen Seelsorger hatte. Seit 1990 wurde die Gemeinde vom Werdauer Pfarramt betreut und am 1.8.1992 erfolgte die Aufhebung der Pfarrvikarie Fraureuth durch ein bischöfliches Dekret und ihre Eingliederung in die Pfarrei „St. Bonifatius“ in Werdau. Diese ist seitdem eine Pfarrei mit zwei Kirchen. Seit 2011 haben die katholischen Pfarreien von Werdau und Crimmitschau einen gemeinsamen Pfarrer, der auch für Fraureuth zuständig ist.

Der römisch-katholische Sonntagsgottesdienst in der Liebfrauenkapelle findet jeweils als Vorabendmesse samstags 17:00 Uhr statt; außerdem wird immer mittwochs 17:30 Uhr die Hl. Messe gefeiert. Seit 2012 feiert auch die alt-katholische Gemeinde von Werdau in der Liebfrauenkapelle ihre Gottesdienste, normalerweise immer am 4. Sonntag jedes Monats 10:00 Uhr.

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