Die frühesten bisher gefundenen kirchengeschichtlichen Zeugnisse - drei Urkunden aus dem 14. Jahrhundert - belegen, dass es zu dieser Zeit bereits katholisches Gemeindeleben in Werdau gab. Demnach gab es in Werdau zwei Kirchen, die beide bis zur Reformation dem Augustinerkloster „Auf dem Berge vor Altenburg" unterstanden.

Zum einen war es die Marienkirche, die 1355 noch als zum Werdauer Schloss gehörende „Capelle" bezeichnet wird, und zum anderen die „Egydienkirche vor der Stadt zu Werde", die sich in der heutigen Ziegelstraße befand.

Mit dem Aufkommen der Reformation wurde die Egidienkirche nur noch als Friedhofskapelle, später als Armenspital genutzt. In der noch verbliebenen Marienkirche, die mehrmals Stadtbränden zum Opfer fiel, wurde seit 1529 „dem neuen Glauben gehuldigt", wie aus einer Urkunde von 1533 ersichtlich ist.

Erst im Zuge der Industrialisierung Sachsens siedelten sich Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend Arbeitskräfte aus dem katholisch geprägten Bayern und Böhmen in Werdau und Umgebung an. Während der Sommermonate kamen auch Arbeitskräfte aus Schlesien und Polen als Saisonarbeiter nach Werdau.

In dem seit der Reformation überwiegend protestantischen Sachsen stellten sie eine religiöse Minderheit dar. Werdau hatte 1890 16474 Einwohner, von denen 531 Katholiken waren, das entspricht 3,2%. Eine eigene Kirche gab es nicht und so musste man zu Gottesdiensten nach Zwickau laufen. Im April 1890 wurde beim zuständigen Ministerium für Kultus und öffentlichen Unterricht beantragt, dass viermal jährlich ein Gottesdienst in Werdau abgehalten werden darf. Die Genehmigung wurde erteilt und 1891 fand der 1. katholische Gottesdienst nach der Reformation in Werdau statt. Er wurde von Kaplan Franz Hackethal (Zwickau) im Saal der Zentralhalle (heute Schwerathletikhalle) in der Kranzbergstraße 4 gehalten.

Centralhalle Werdau Heils Gasthof  

In den folgenden Jahren fand der Gottesdienst im Restaurant „Reichspost" (Markt 42), in der Gaststätte „Reichskrone"(Johannisplatz 7) und in „Heils Gasthof" (Leubnitz, Greizer Straße 1) statt und wurde von Geistlichen aus Zwickau gehalten. Im November 1903 wurde dann für Werdau 12mal jährlich Gottesdienst beantragt und auch genehmigt.

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Stand: 23.04.2017

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